Solo-Sonntage, Bad Bunny & ein Was-sind-wir-eigentlich-Gespräch
- diedreißigerin

- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
diedreißigerin ist zurück, zurück am Blog, zurück in der Heimat, zurück im Arbeitsalltag, vielleicht aber noch etwas entfernt von der knallharten Realität, denn im Moment sehe ich mein Leben rosarot, aber dazu später. Naja, es ist wieder einiges passiert in den vergangenen Wochen, das letzte Mal haben wir uns gehört, als ich noch in Marokko Neujahr verbracht habe. Plötzlich ist März, der Frühling steht vor der Tür, ich kann den Sommer förmlich schon riechen und wenn ich einen Plan für dieses Jahr habe, dann mein allerbestes Leben zu leben und mich weit entfernt von jeglichem Drama zu halten, außer – maybe I am the drama?
Allein in meiner Bubble
Also zurück zu meiner Bubble. Die ersten zwei Wochen dieses neuen Jahres habe ich an der Sonne an der Küste Marokkos verbracht. Wenn ich inzwischen eines wirklich gut kann, dann ist es mit mir selbst Zeit zu verbringen. Die Tage sahen alle gleich aus: ausschlafen, gemütlich Cappu trinken und frühstücken, zwei Stunden schreiben, im Markt Jause kaufen, an den Strand, die Nachmittagsstunden mit lesen, Podcast und Schläfchen verbringen, einen langen Spaziergang an der Promenade machen, der Sonne beim Untergehen zusehen, fein Fisch essen gehen, den Abend bei einer Serie in meinem schönen Zimmer ausklingen lassen. Ich sag’s euch, ich könnte das vermutlich Monate so durchziehen, diese Tage waren so unbeschwert, so leicht im Kopf, so wohltuend für den Körper.
Zurück Zuhause hat mich der Alltag dann recht schnell wieder eingeholt, aber die Gedankenschleife hat sich doch etwas verändert. Sonntage waren vor einiger Zeit noch immer schwer, der Gedanke, dass alle mit ihren Familien und/oder Partnern die schönsten Dinge erleben, während ich alleine (das Bild der verbitterten alten Jungfer) zuhause sitze, hatte das Wochenende regelmäßig zu einer Herausforderung gemacht. Hier hat sich etwas Neues gezeigt, Sonntage allein sind meine allerliebsten Stunden, inzwischen muss ich nicht einmal mehr etwas erleben, es reicht in meinen vier Wänden meine Ruhe, meine Unabhängigkeit und meine Ideen zu zelebrieren. Meine Wochenenden sind zum Entspannen da, zum Runterkommen, ich hab wieder Lust mit meinem Kleiderschrank zu spielen, alleine spazieren zu gehen anstatt Sport zu machen, mir abends essen zu bestellen anstand verbissen zu kochen, stundenlang Serien (Heated Rivalry!!!) zu schauen anstatt produktiv zu sein. Ich scheine tatsächlich ein wenig zur Ruhe gekommen zu sein, nicht nur körperlich sondern auch mental und das fühlt sich gerade unfassbar gut an.
Hot, hotter, Böser Hase
Nun, ganz ruhig darf es auch nicht werden, die kleine große Abenteurerin in mir, die manchmal sehr impulsiv handelt, braucht auch meine Aufmerksamkeit. Seit den Grammys bin ich ein bisschen obsessed, seit dem Super Bowl schwer verliebt, ihr wisst alle von wem ich spreche: Bad Bunny. Mit fast 37 Jahren habe ich nun doch einen Musiker gefunden, der mein potenzielles Groupie Herz höher schlagen lässt. Den müsste frau live sehen hab ich mir an einem Montagmorgen gedacht, drei Stunden später waren die Konzertkarte gekauft, die Flüge nach Madrid gebucht und mein Hotel ausgesucht. Die Stimme war laut und der nächste Solo-Trip wartet im Juni auf mich, bis dahin dröhnen Latino Beats durch meine Wohnung.
Bad Bunny ist nicht nur großartig, weil er tolle Musik macht, aussieht wie mein fleischgewordener Männertraum und sich unverschämt gut bewegen kann, nein, der Hase hat eines verstanden, was meine Generation dringend braucht: Einen Mann, der bewusst mit Stereotypen bricht, moderne Maskulinität redefiniert und politisch Haltung zeigt. Benito trägt Nagellack, Schmuck, rückenfreie Tops und Haarspangen, während er sich gegen Sexismus, Fremdenhass und toxische Männlichkeit ausspricht, ganz nebenbei verzichtet er auf Millionen, weil er unter Trump innerhalb seiner Welttournee nicht in den USA auftritt, vertritt stolz seine puerto-ricanischen Wurzeln und trägt in seiner Freizeit Lady Gaga Merch.
Was soll ich sagen, es ist Liebe, und meine Ansprüche an die Männerwelt sind noch einmal eine Stufe nach oben auf der eh schon hohen Leiter gerutscht. Nein, er muss keine Millionen verdienen und kein internationaler Star sein, aber wenn Männer Angst vor femininem Framing haben, wenn die Farbe rosa in ihrem Schrank auftaucht, die Klappe halten, wenn es gilt Haltung zu zeigen und sich prinzipiell nicht für Gleichberechtigung und Feminismus (not all men …) verantwortlich fühlen, dann ist das nicht viel weniger schlimm, als jene, die ihre Mysogonie und toxische Männlichkeit (but always a man) offen ausleben. Wer nur zusieht, ist Teil des Problems, aber das hört natürlich nieman(n)d gerne.
Sorry, keinen Bock
Tja, damit wären wir beim letzten Thema für heute, dem Mann. Letztes Mal hatte ich erzählt, dass noch keine roten Flaggen wehen, lasst uns gemeinsam eine Runde lachen. Inzwischen weiß ich, dass er eine schwierige Kindheit hatte, aber nie bei der Therapie war und nicht alleine wohnt, um die für mich zwei größten und unverhandelbaren zu nennen. Aber mich nervt auch, dass er null Sinn für Mode hat, ein typischer People Pleaser ist und ein ziemlicher Workaholic zu sein scheint. Jeder hat so seine Makel, denkt ihr jetzt, völlig richtig, aber es wehen eben auch keine Green Flags. Ja der Typ ist immer pünktlich, hält sich an Abmachungen, schreibt regelmäßig, fragt nach Dates und bringt hin und wieder eine Kleinigkeit mit – aber nochmal für alle zum Mitschreiben – das ist das fucking bare Minimum und hat kein extra Lob verdient.

Nun, letztens lagen wir im Bett, als er plötzlich (naja, ich hab’s geahnt) die Was-sind-wir eigentlich-Frage gestellt hat und auf einmal hat sich für mich eine ganz neue Situation mit einer knallharten Erkenntnis aufgetan: Wenn eine Person nach drei Monaten daten sagt, dass sie im Moment nichts Festes möchte, dann ist ihr Interesse einfach nicht groß genug. Ja, ich bin diese Person und ich hab den Satz gesagt, den ich selbst schon einige Male gehört habe. So bitter das auch sein mag, so unfassbar simpel und tröstend ist es gleichzeitig. Der Mann gibt sich extrem Mühe, vermutlich kann ich alles von ihm haben, was ich mir wünsche, er hat einen netten Charakter und sieht objektiv gut aus, trotzdem funkt es auf meiner Seite nicht und dafür kann weder er noch ich etwas.
Ich möchte hier noch kurz einwerfen, das ich durchaus schon in Beziehungen mit Männern gelandet bin, auf die ich eigentlich keinen Bock hatte, weil ich es unglaublich toll fand, wie sehr sie mich wollten. Könnte ich auch jetzt durchziehen, endlich meinen Auftrag erfüllen und in einer Beziehung stehen, bei der EIGENTLICH eh alles passt, gibt’s nur einen Haken: Es wird mich nicht glücklich machen und ich bin sehr stolz darauf, dass ich das inzwischen so sehen und spüren kann. Ich brauche niemanden, der mir Sicherheit und Stabilität gibt, mir ein schönes Leben finanziert, mit mir tolle Urlaube macht oder meine Wochenenden plant, das kann ich selbst ganz wunderbar. Ich suche jemanden, der mein Herz füllt, bei dem ich schwitzige Hände habe, wenn ich seinen Schritt im Gang höre, mit dem ich bis mittags im Bett liegen möchte, jemanden der noch ein bisschen mehr Dolce in mein Vita bringt, dass alle anderen Voraussetzungen auch stimmen müssen, erklärt sich eh von selbst. Bis dahin genieße ich dieses Solo-Leben in den Dreißigern in vollen Zügen, bin mir selbst die wichtigste Beziehung und lass mir nicht einreden, dass mir ein Partner zum Glück fehlt.
Naja, der Mann bleibt weiterhin, ich hab ihm im weiteren Gespräch knallhart gesagt, dass es für mich keine gemeinsame Zukunft gibt, er meinte, dass er mich weiter locker sehen möchte. Ich konnte die Enttäuschung in seiner Stimme hören, aber so ist das eben manchmal, lieber er enttäuscht als ich eine Lügnerin, die ihm ein „mal schauen“ hinwirft. Nervt es mich, dass das (schon wieder) ein Reinfall war? Ein bisschen, aber eher, weil ich hin und wieder meine Grenzen nicht wahren konnte und mir Zeit genommen hatte, obwohl ich gestresst war.
Was ich euch (vor allem dir liebe dreißigerin) eigentlich mit auf den Weg geben möchte: Überlegt euch gut, mit wem ihr eure Zeit romantisch verbringen möchtet, bleibt nicht in Beziehungen, die euch nicht erfüllen, zelebriert eure Wochenenden ohne Partner, pflegt eure Frauenfreundschaften, plant euer nächstes Solo-Abenteuer und wartet bitte nicht auf jemanden, der vielleicht nie kommt, es braucht ihn nicht für ein großartiges Leben, das schafft ihr ganz allein. Seid vor allem ehrlich mit euch selbst, der Großteil der Männer ist kacke, ihr müsst ihn nicht schönreden.
Und gönnt euch, aber das wisst ihr eh schon. <3























Ach Mann, ich glaube ich muss den Typen den ich gerade date auch in die Wüste schicken. Rote Flaggen noch und nöcher. 🙈 danke 🙂
Sehr toll geschrieben und macht mich auch nachdenklich 😔 ❤️
ENDLCIH!!!! Ich warte schon seit Wochen. Ein ganz toller Beitrag wiedereinmal! 😍