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Silvester alleine in Marokko, (k)ein neuer Mann & 50 Cent Energy

  • Autorenbild: diedreißigerin
    diedreißigerin
  • vor 5 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Letztes Mal hatte ich es schon ein bisschen angedeutet, ich habe Silvester und Neujahr im Warmen verbracht. Die Intuition war wieder einmal laut, das dringende Bedürfnis auszubrechen unüberhörbar und einige Stunden später war der Flug auch schon gebucht. Marokko ist schon lange in meinem Kopf, Marrakesch auf der Liste der Städte, die ich unbedingt sehen will. Also ja, ich war über Silvester alleine am Meer, hab das neue Jahr mit Sonne im Gesicht gestartet und muss euch dringend von einem Mann erzählen und weshalb 50 Cent auf einmal Vorbildfunktion hat.


Dinner for one & wie ich Silvester verschlafen habe

Ich schreib das glaube ich jedes Jahr, aber ich sage es gerne noch einmal: Ich hasse den Jahreswechsel seit ich mich zurück erinnern kann. Dieser Abend ist so krass mit Erwartungen behaftet und die wohl größte Herausforderung für Singlefrauen überhaupt. Seit Jahren entziehe ich mich nun schon jeglicher Einladung von Paaren, meide jede Party und verbringe den guten Rutsch am liebsten mit mir selbst. Letztes Jahr hatte ich einen perfekten Abend in meiner neuen Wohnung, dieses Jahr wollte ich eigentlich ins Tanztheater gehen, aber die innere Stimme hatte andere Pläne, also ging es in den Süden, dort wo Silvester nicht gefeiert wird und das hab ich mehr als genossen.


Palmen vor Mauer

Am 31. habe ich den Bus von Marrakesch an die Küste genommen, war lange an der Promenade spazieren, dann in einem Restaurant fein alleine essen und zur Krönung hab ich mich in meinem schönen Zimmer in diesem süßen Riad in mein feines Doppelbett gekuschelt und beim Stranger Things Finale den Jahreswechsel einfach verschlafen.


Das neue Jahr habe ich ohne Pläne aber mit viel Sonne am Strand gestartet, ein Tag, der einfach so passiert ist, ich war beim Yoga, hab fein Kaffee getrunken und bin durch dieses weiße Städtchen geschlendert. Ehrlicherweise war ich mir nicht ganz sicher, wie ich mich allein als Frau in Marokko zurechtfinden würde, aber nachdem anscheinend ganz Frankreich gerade hier ist, fühl ich mich ein bisschen wie Emily in der 1001 Nacht Version, trällere fröhlich meine „Bonjours“ und „Mercis“ durch die Gegend und verbringe richtig schöne Tage mit mir selbst. High Five an mich selbst für diese Entscheidung.



Ein neuer Mann aber ein anderer Fokus

Nun, es gibt etwas Weiteres zu berichten, seit Dezember gibt’s da wieder jemanden. Nachdem ich nun über ein halbes Jahr so überhaupt keine Lust auf Dates und stattdessen die Romanze zu mir selbst erfolgreich wiederbelebt hatte, hab ich mich im November doch wieder auf eine App gewagt und bin auf jemanden gestoßen, mit dem die geschriebene Kommunikation ausgesprochen unterhaltsam war und wie oft ist das schon der Fall bei einem Mann. Zwei Wochen später haben wir uns auf ein erstes Date getroffen und in der gleichen Woche noch auf ein zweites, ein paar Tage später sind wir nach Sterzing gefahren, um dort Pizza zu essen und einen Nachmittag miteinander zu verbringen und wie in einer miesen RomCom haben wir uns dort zum Sonnenuntergang auf einer Brücke geküsst. Dieser Mann ist sehr bemüht, bringt Cantuccini aus Florenz mit, fragt aktiv nach Dates und verspricht Cappus & Cornetti, um mich wiederzusehen.



Mondieu, endlich, klingt fantastisch denkt ihr jetzt? Ich bin mehr denn je zur Erkenntnis gekommen, dass der Mann, den ich date, das am wenigsten Interessante an mir ist. Diesem Narrativ, in dem sich auf einmal alles um einen Typen dreht, möchte ich nicht mehr folgen, ich will keine Nachrichten mehr analysieren, keine Dates mit Freundinnen durchdiskutieren und lieber den Fokus auf wichtigere Dinge richten: auf mich, meine Wünsche, meine Bedürfnisse, meine Ziele, mein Leben ohne Plus Eins.


Decentralising Men ist eine Bewegung, über die ich in letzter Zeit viel gelesen habe und ein Konzept, das ich sehr feiere. Es geht darum, bei sich zu bleiben, das was Männer eh seit jeher tun, anstatt ein Leben um IHN herumzubasteln, zu kompensieren, zu projizieren und auf seine Handlungen zu warten. Eines lässt sich nämlich nicht leugnen, ich hatte sie schon wieder, die Momente, in denen ich mit ihm beschäftigt war anstatt mit mir, aber ich bin davon überzeugt, dass das nur Übung ist und wir unsere anerzogenen Denk- und Verhaltensstrukturen lenken können. Ich versuche gerade sehr bei mir und sehr ich selbst zu sein ohne Rücksicht darauf, was er sich denken oder wie er darauf reagieren könnte.


Man(n) könnte mir vielleicht sogar unterstellen, dass ich provoziere und ich kann euch beruhigen, er läuft nicht weg und falls er es doch tut, kann er nicht schnell genug laufen. Ich male mir keine Zukunft aus, ich verfange mich nicht in Vorstellungen und dichte ihm kein Potenzial an. Der Mann ist toll, hat charakterlich (noch) keine Red Flags und trotzdem stört mich einiges, aber das ist egal, denn er muss nicht der eine sein. Ich bin mir sowieso sicher, dass dieser Soulmate-Schmus nur bei Disney funktioniert und über die letzten Jahrzehnte in erster Linie dazu geführt hat, dass Frauen arschviele Kompromisse eingehen, weil sie auch endlich den einen wollen.



Tja, der neuer Mann weiß glaub ich noch nicht ganz, mit wem er es zu tun hat, er findet meine direkte Art und mein Selbstbewusstsein toll, aber das taten auch schon viele vor ihm, die plötzlich doch gemerkt haben, dass sie keine Partnerin sondern eine Egostreichlerin mit Benefits suchen. Soll mir auch völlig egal sein, im Moment genieß ich es, wenn wir uns sehen, ich lache über die cleveren Nachrichten und probiere mich in dieser neuen Rolle mit mir und meinen Bedürfnissen im Fokus aus.



50 Cent und warum die High Road überbewertet wird

Damit kommen wir zum letzten Thema für heute und meinem spirit animal für 2026: 50 Cent. Wer’s nicht mitbekommen hat, 50 Cent hat eine Doku über P. Diddy veröffentlicht, in der er ihn ordentlich und mit allerlei handfester Beweise durch den Dreck zieht, während dieser zeitgleich für Strafdelikte verurteilt wurde. „Petty“ mögen das manche finden, aber im Großen und Ganzen wird die Aktion ordentlich gefeiert. Jetzt lässt sich natürlich diskutieren, warum Taylor Swift als rachsüchtig und kleinlich degradiert wird, wenn sie in Songs mit Exen abrechnet, während 50 Cent applaudiert wird, wenn er einen Rivalen auf Netflix defamiert, aber dass diese Welt mit zweierlei Maß misst, wissen wir eh schon länger.



Nun aber zum Eigentlichen: „Petty“ ist so ein schönes Wort für eine Fülle an Wesenszügen – kleinlich, nachtragend, übertrieben, rachsüchtig und gehässig. Das sind alles Attribute, die gerne Frauen zugeschrieben werden und die keine von uns haben möchte, weil sie als unattraktiv gelten, weil das Patriarchat uns seit Ewigkeiten vorschreibt, dass Frauen mit Klasse die Klappe halten, dass wir über den Dingen stehen müssen, dass es peinlich ist, wenn wir uns öffentlich beschweren, dass die Klügere nachgibt, dass Karma es schon regeln wird und wir uns auf Selfcare konzentrieren sollen. Ihr merkt grad selbst, wie gefinkelt das ist und wie absolut frech von und praktisch für die Männerwelt.


Nachdem ich den Beitrag über die Neue vom Ex veröffentlich hatte, hat mir eine Leserin ein „get over it“ hingeworfen, ich solle das doch ruhen lassen, schon bissi kleinlich von mir, den Typen (ich hab nämlich dezidiert kein schlechtes Wort über die Neue verloren) erneut so bloß zu stellen, der Arme, das muss doch echt nicht öffentlich sein. Ich kenne keine Frau, die einen Mann zur Rede stellt, wenn sie geghostet wird (hab ich übrigens auch nicht), kaum eine, die sich laut beschwert, wenn sie mies behandelt wird. Ich hatte letztes Jahr so viele ungerechte Situationen, in denen mir gesagt wurde, dass ich es ruhen lassen müsse, dass ich drüber stehen solle und ich sag’s wie es ist: ICH HAB KEINEN BOCK MEHR.


Marrakesch

Ich stehe nicht mehr drüber, ich steh mitten drin und ja, wenn mich jemand vorsätzlich verletzt, dann bin ich kleinlich, dann bin ich nachtragend, dann bin ich gehässig, dann bin ich laut und das Letzte was ich tun werde, ist so zu spielen, als ob alles in Ordnung wär. Versteht mich nicht falsch, ich wünsche niemandem etwas Böses, aber erwartet weder Nettigkeiten noch Mitleid noch Vergebung und wenn Karma Filzläuse, brüchige Nägel, kalte Pizzen, Legos am Fußboden und Regen im Urlaub verteilt, dann wird ein mildes Lächeln über mein Gesicht wandern.


Meine Lieben, ich sitze gerade in einem Café an der Küste Marokkos, die Sonne scheint, ich war bereits beim Yoga, die Massage wartet auf mich und ich hab jede Zeile dieses Beitrags genossen. Ich wünsche euch für dieses neue Jahr, dass ihr laut seid, dass ihr euch nichts gefallen lasst und kleinlich bleibt, wenn es darum geht, mit wem ihr eure Zeit verbringt und in wen ihr eure Energie und Emotionen investiert. Das wird vielen nicht gefallen, man(n) wird euch hysterisch nennen und es ist auch maximal anstrengend, aber ich hab mich noch nie mental stärker sowie wohler in meiner Haut gefühlt und das ist wohl die schönste Motivation.


Hiermit verabschiede ich mich in eine kleine Pause, meine Auszeit geht langsam zu Ende und ich möchte diese letzten Wochen nur für mich noch aufsaugen und vollends genießen. Die Yogalehrerin meinte heute, dass 2026 nicht alles neu, anders und besser sein muss, sondern dass wir das beibehalten sollen, was uns im letzten Jahr Freude bereitet und uns stolz gemacht hat, das klingt doch nach einer schönen Idee. Ich wünsch euch nur das Beste.


Und ein bisschen 50 Cent Energy.


Ein bisschen viel.



Au revoir.

11 Kommentare


Moni
vor 2 Tagen

Hi du liebe :) Danke für den tollen Text zm Start ins Jahr! Ich bin beim Thema decentralizing men sehr hellhörig geworden, kannst du da ein Buch oder ähnliches empfehlen? 😀

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Gast
vor 2 Tagen

Dieser ganze Text ist ein Vibe! Alleine in Marokko, Männer die nicht im Fokus stehen und 50 Cent Energy, ich behaupte jetzt einfach mal dass du alles richtig gemacht hast! Ich bin erst seit kurzem Leserin (seit dem Text über die Neue vom Ex 🤣) und möchte dir gerne ein großes DANKE hier lassen, ich fühle mich gesehen und verstanden! 🧡

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Antonia
vor 3 Tagen

Finde ich geil dass sich in den Kommis niemand für den Mann aber alle für die 50 Cent Energie interessieren! 🤣 Mission accomplished 🙈😍😎


Du weißt, wie sehr ich diesen Blog liebe!

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Gast
vor 3 Tagen
Antwort an

Same 🤣

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Gast
vor 3 Tagen

Du machst mich fertig, das klingt alles wieder genial! Ich möchte mich auch für den 50 Cent Workshop anstellen, genug Wut hätte ich im Bauch! Alles Liebe!!!!! 💐

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Gast
vor 3 Tagen

By the way, alle Tiere spüren deine positive Energie und lieben dich, find ich toll😻❤️

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