• diedreißigerin

Ein Wochenende am Lago und viele Fuck-it-Momente!

Puhh...das waren sieben sehr intensive Tage. Es ist bereits Samstag, ich hab mich aus dem Bett gequält, vermutlich eine Stunde lang ins Leere gestarrt und erst jetzt begonnen, diesen Blogbeitrag zu schreiben. "Erledigt" beschreibt meine momentane Verfassung vermutlich am besten, aber im positiven Sinne. Diese letzte Schulwoche, die ich mir ironischerweise sehr entspannt ausgemalt hatte, barg so einiges in sich, es war viel los, ich hab viel erlebt und, das ist das allerschönste daran, ich fühle mich lebendig wie schon lange nicht mehr. Manchmal kommt eben alles anders als frau denkt, für mich hat das bedeutet, dass ich flexibel sein und meine Routine über Bord schmeißen musste. "Fuck it" oder "drauf gschissen", wie es in Tirol so schön heißt, ausbrechen kann manchmal so schön sein.

Lago di Garda und ganz viel Dolce Vita.

Als ich letzten Freitag nach einem langen Unterrichts- und Probentag gegen 21 Uhr nach Hause kam, war das letzte, worauf ich Lust hatte, meinen Sachen für einen Wochenendtrip mit meiner besten Freundin zu packen. Ich musste noch Haare waschen, Beine epilieren, Wäsche aufhängen, den letztwöchigen Beitrag fertigstellen und überlegen, was ich alles mitnehmen möchte. Um 5:30 ging der Wecker, ich hatte gefühlt nichts geschlafen, aber als ich wenig später draußen auf der Straße stand, alles ruhig war und die Sonne schon die Baumkronen küsste, stellte sich die erste Euphorie ein. Eine Stunde und einen Raststation-Cappuccino plus Brioche con Crema später war ich im Urlaubsmodus angekommen. Riva – was für ein schönes Städtchen mit noch schönerem Seeufer.

Gleich nach dem Check-in sind für zur Kapelle Santa Barbara hinaufspaziert, die auf dem Berg direkt über Riva thront, haben in der Bastion unsere erste Pasta inhaliert und sind später am Pool unseres verträumten Hotels gelegen. Leider hat das Wetter nicht ganz mitgespielt und zwischen dem Wolken-Sonne-Wechsel hat es immer wieder getröpfelt. Aber das war uns egal, denn wir waren weg, in Italien, nach vielen Monaten des Zuhauseseins. Abends haben wir uns ein 4-Gänge-Menü und eine Flasche Wein gegönnt, sind durchs Städtchen spaziert und haben die Seele baumeln lassen. Ohne Verpflichtungen am nächsten Tag, ohne Laptop, ohne Haushalt und ohne "Ich muss noch"-Gedanken. Der Sonntag war entspannt, leider auch etwas verregnet, aber eigentlich, und das musste ich auch lange lernen, ist das Wetter nur ein Bonus. Ich war mit meiner besten Freundin unterwegs, wir haben Schuhe geshoppt, sind der Küste entlang bis nach Bardolino gefahren und haben vor dem Aufbruch Richtung Heimat noch eine Pizza verdrückt. Dolce Vita vom Feinsten.


Holprig und intensiv – aber schön.

Der Koffer blieb natürlich ungeöffnet stehen, sehr untypisch für mich, aber ich hatte Sonntag abends weder Zeit noch Muse irgendetwas zu verräumen, stattdessen habe ich den Abend fein ausklingen lassen. Die Woche ist dafür holprig gestartet, am Montag startete bereits der Veranstaltungsmarathon für die kommenden Tage und immer wieder bin ich, bewusst aber auch unbewusst, aus alten Mustern ausgebrochen, vielleicht inspiriert durch das Wochenende, vielleicht aber auch, weil die letzten Wochen in der Therapie einiges bewegt haben. Vorweg, ich habe die ganze Woche keinen Ton Flöte gespielt und keine Minute Sport gemacht, es war viel los, ich hatte kaum eine Stunde für mich und irgendwann habe ich "drauf gschissen" beschlossen und das schlechte Gewissen gleich mit der Yogamatte im Kasten verstaut. Eine Woche ist lächerlich wenig, wenn ich mir vor Augen halte, wieviele Wochen ich in meinem Leben schon regelmäßig geübt und Sport gemacht habe. Trotzdem fällt es mir schwer, etwas, das so selbstverständlich zu meinem Alltag gehört, zur Seite zu legen und wohlwollend zu akzeptieren, dass ich mich nicht noch zusätzlich stressen muss.

Montagabends musste ich zur Urkundenverleihung des internationalen Bakkalaureats unserer Schule in der Wirtschaftskammer. Nachdem ich schon wieder vormittags gefragt hatte, was denn die anderen anziehen (weil Zugehörigkeitsbedürfnis), habe ich mich am Abend nach einem weiteren Fuck-it-Moment für ein Kleid mit hohen Schuhen, die schöne Tasche, den neuen Mantel, Lidschatten und Lippenstift entschieden. Mit dieser Entscheidung war ich im Kollegium allein und, dafür hab ich mir selbst applaudiert, es war mir egal, viel mehr noch, ich hab mich gut damit gefühlt, weil ich authentisch war. Mitte der Woche ging es dann mit einer Flötenschülerin zu einem Wettbewerb in Kitzbühel, wieder früh aufstehen, wieder den ganzen Tag auf Achse, wieder mit Ängsten nicht zu genügen konfrontiert. Im Endeffekt war ich nervöser als sie, aber ich hatte sie gut vorbereitet, viel Zeit investiert und langsam aber stetig fange ich an, mir und meinen Fähigkeiten zu vertrauen. 1. Platz mit Auszeichnung, ein paar Freudentränchen und ganz viel Motivation für die Abschlussfeier mit dem Kollegium am gleichen Abend, bei welcher ein Fuck-it-Moment den nächsten jagte.


Ups, haha, einer geht noch.

Nun, reserviert beschreibt mich in der Schule wohl am besten. Ich bin freundlich, aber ich suche selten Gespräche, teile kaum Privates und um nicht verpflichtende Veranstaltungen mache ich normalerweise einen riesigen Bogen. Aber, und das genieße ich sehr, es gibt inzwischen ein paar KollegInnen in meinem Alter, die ich sehr mag und diesen Donnerstag waren wir alle gleichermaßen motiviert zu feiern. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass Privates und Berufliches getrennt gehört, wer wenig zeigt, bietet wenig Angriffsfläche und auf blöde Nachreden kann ich echt verzichten, aber vielleicht schadet es nicht, hin und wieder gemeinsam Farbe zu bekennen. Es hielt uns nicht lange bei der offiziellen Feier und nach einigen Zwischenstopps und dem einen oder anderen Shot sind wir zu fünft im Filou gelandet, es war stickig, es war eng, die Musik war zu laut und ich hab jede Sekunde geliebt. Kurz war er da, der Schrecken, was die anderen wohl denken, wenn ich tanze und ausgelassen bin, aber wenn alle die Fassade ablegen, dann zeigen sich die Farben und unsere Nacht war bunt. So bunt und so echt, dass die richtig bösen Kopfschmerzen bei der Abschlusskonferenz leicht zu verkraften waren, die Blicke untereinander zu einem Schmunzeln führten und ich mich frei wie schon lange nicht mehr gefühlt habe. Der achte Shot, in 4 Stunden aufstehen, SchülerInnen im Club, Ausflippen bei den Spice Girls? – c'est la vie, carpe diem, widdewidde wie es uns gefällt.

Übrigens sieht meine Wohnung, wenn ich mich hier so umschaue, katastrophal aus. Auch hier ist sich einfach nichts ausgegangen, heute steht noch staubsaugen, aufräumen, Wäsche waschen, einkaufen und wischen am Plan. Wenn alle Wochen so aussehen würden, wäre ich dem Zusammenbruch geweiht. Worauf ich eigentlich hinaus will beziehungsweise was mich diese letzten Tage gelehrt haben: Es lohnt sich, offen für Neues zu sein, Verpflichtungen hin und wieder hintenanzustellen und dem inneren Kind, das unvernünftig sein und tanzen will, ein bisschen nachzugeben. Die Wäsche, die Mails und das Workout sind auch morgen noch da, schöne Momente mit lieben Menschen lassen sich hingegen nicht verschieben.

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