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48 Stunden in Paris: Zwischen Machos & Macarons!

  • Autorenbild: diedreißigerin
    diedreißigerin
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 14 Stunden

Der letzte Beitrag hat einen kleinen Shitstorm ausgelöst, Männer mögen es einfach nicht, wenn Frauen die Wahrheit sprechen und noch weniger mögen sie es, wenn wir es unfreundlich tun. Aber, naja, nachdem ich das Daten wieder auf Eis gelegt und der Männerwelt Adieu gesagt hatte, rief die Stadt der Liebe nach mir, welch Ironie. Paris ist eine der sehr wenigen Hauptstädte Europas, in der ich noch nie war, seit jeher habe ich immer gesagt, dass ich dort einmal mit meiner großen Liebe hin und will und siehe da, genau so ist es gekommen, in zweierlei Hinsicht.


1 Konzertreise & 2 Tage für mich

Ich durfte über das letzte verlängerte Wochenende mit dem Ensemble, bei dem ich regelmäßig mitwirke, nach Paris fahren, um dort ein Konzert zusammen mit französischen Musiker:innen zu spielen. Die Autofahrt in dem vollgepackten Mini-Bus war unendlich lange, aber pünktlich zu Sonnenuntergang kamen wir in der französischen Metropole an und eine Stunde später hab ich bei einem Vin Blanc den Alltag hinter mir gelassen und bin in dieses schöne Abenteuer eingetaucht. Nach Marokko spreche ich ich praktisch fließend Bonjour-Au-revoir-Merci-Französisch und war fest entschlossen, mich durch jede süße Köstlichkeit zu testen und dem Parisienne Lifestyle zu frönen. Die zwei Probentage waren schön wie sie anstrengend waren, in meinen Mittagspausen ging sich nur eine kleine Runde am Kanal aus und abends war ich so fertig, dass ich keinerlei Motivation hatte, die Stadt zu erkunden.



Ich wusste, dass es so kommen würde und so hatte ich vorgesorgt. Nach einem sehr schönen Konzert am Samstagabend sind meine Kolleg:innen Sonntagfrüh wieder gestartet, ich hingegen hab ihnen nur meine Flöten mitgegeben und in mein schmuckes Hotel im Zentrum eingecheckt, diedreißigerin hatte nämlich andere Pläne: 48 Stunden in Paris nur für mich. Rückblickend kann ich mir zu dieser Entscheidung nur gratulieren und ja, ich hab mir offiziell freigenommen, denn ich hatte mich gut selber im Blick und war gewillt, meine körperlichen und mentalen Grenzen zu schützen.  Anstatt erneut 12 Stunden im Auto zu sitzen, bin ich in die Stadt und hab gemütlich ein Pain au chocolat gefrühstückt und an einem völlig überteuertem Kaffee genippt. Danach bin ich ins Louvre und wow, ich war schon in vielen Museen, aber die Größe dieses Gebäudes und die Ausstellungen haben mir echt die Sprache verschlagen. Natürlich hab ich auch bei der Mona vorbeigeschaut, ein bisschen zurück gegrinst und bin anschließend noch in die Notre-Dame. Über Paris lässt sich viel streiten, aber eines kann frau an jeder Ecke sehen: die Ludwigs vor ihm und Napoleon waren Größenwahnsinnige und die Dimensionen der Sehenswürdigkeiten sind wirklich atemberaubend.



Meinen letzten Tag hab ich mit einem ewig langen Spaziergang entlang der Seine bis zum Eiffelturm und dann mit ein bisschen Windowshopping entlang der Champs-Elysées verbracht, hab die Sacré-Coeur besucht, wiederum allerlei süße Köstlichkeiten probiert und mir ein kleines Andenken an diesen schönen Trip gegönnt.



Mit Charme, Schirm & Macaron

Nun, das Wetter war äußerst bescheiden in diesen Tage, es hat täglich geregnet und naja, ich hatte auch psychisch etwas zu kämpfen, wie das oft der Fall ist nach einem Konzert High. Was die Sonne mir schuldig blieb, haben die Franzosen mit Charme wett gemacht und bei jedem „Madame“ ist mir doch ein bisschen das Herz aufgegangen. Das eine oder andere Törtchen hat natürlich auch nicht geschadet, ich hab mich gut um mich gekümmert und dafür gesorgt, dass es mir an nichts fehlt. Dieses Mal war ich aber nie schön alleine essen, mir war einfach nicht danach und auch das ist okay.



Aber zurück zur großen Liebe, ich war mit La Musique in Frankreich und natürlich mit Moi. So etwas nennt frau wohl einen Full Circle Moment. Mein Instrument war schon seit ich denken kann ein Anker in meinem Leben, ein Medium, um mich auszudrücken und das zu kommunizieren, was meine Worte nicht sagen konnten. Ich hab mir (unbewusst) eine Bühne gesucht, weil ich mich nicht gesehen gefühlt habe neben einem Bruder, der immer der Mittelpunkt war und nach wie vor ist. Wenn ich konzertiere geht’s um mich, alle Augen sind auf mich gerichtet, die ungeteilte Aufmerksamkeit gehört mir. Ich hab mein Kindheitstrauma in Kunst verwandelt und das hab ich ganz alleine mit sehr viel Anstrengung, Fleiß, Zeit und Tränen über viele, viele Jahre gemacht. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht mehr da ist, es ist lauter denn je, aber ich sehe und höre die kleine Miri endlich und bin unfassbar stolz auf das, was sie geschaffen hat und unendlich traurig darüber, wie alleine sie mit ihren Gefühlen war.


Selbstliebe, ja mein Lieblingsthema, heißt auch das eigene Trauma anzuerkennen und das hab ich mir als eine, die mit dem Narrativ des „glücklichen Scheidungskindes“ aufgewachsen ist, ganz lange nicht zugestanden. Das ist schmerzhaft, aber jede Liebesbeziehung hat schwierige Kapitel, warum sollte es bei der Beziehung zu sich selbst anders sein. Meine Therapeutin sagt oft, dass ich meinen Glanz nicht sehen kann, weil ich so damit beschäftigt bin sicherzustellen, dass ich für alle anderen richtig bin. Ich bin die wichtigste Beziehung in meinem Leben, eine Liebe, die einen sehr schwierigen Start hatte, an der ich täglich arbeite und die viel Zeit und Aufmerksamkeit braucht. Nun, in Paris hab ich mit einem (zwei, drei?) Macaron und Crémant darauf angestoßen, dass ich die Stadt der Liebe nur mit mir und als Künstlerin besucht habe. Chapeau!


Mir sind während meines Spaziergangs entlang der Seine auch einige Male die Tränen über die Wangen gekullert. Im Moment habe ich richtig zu kämpfen, ich schaue meinem leiblichen Vater seit Wochen beim langsam Sterben zu, der anhaltende Konflikt mit Bruder und Schwägerin belastet mich enorm, dass ich meine Nichten nicht sehe, bricht mir das Herz und das Gefühl, ständig alleine mit dem allen zu sein, bringt eine Schwere, die kaum auszuhalten ist. Ich fühle mich nicht mehr wohl in meiner Familie und ich will auch nicht mehr Verantwortung für das Verhalten ihrer Mitglieder übernehmen. Das ist einsam und – so frustrierend das auch sein mag – ich kann nichts anderes tun, als traurig zu sein, weil es traurig ist.


Alleinsein, nicht gehört und  gesehen zu werden, ist mein Thema, die Therapiestunden sind seit Wochen düster und ich weine viel. Es kommt gerade viel Altes hoch, viele Gefühle, die ich früher nicht fühlen durfte, viele Situationen, die noch betrauert werden wollen. Ehrlich, ja, das ist es auch und Aufrichtigkeit war für mich schon immer die Quintessenz jeder Beziehung.

2 Kommentare


Gast
vor 17 Stunden

Liebe Miri,

es tut mir so leid, dass es dir gerade so geht! Ich lese deinen Blog schon so lange und wenn du von deinen mutigen Abenteuern erzählst und deiner Selbstbestimmtheit fühle ich mich manchmal ganz klein, aber bei Beiträgen wie diesem zeigst du so ehrlich, dass es immer zwei Seiten gibt und Glück und Schmerz oft nahe beieinander liegen. Danke für deine Ehrlichkeit. 💚

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Maria
vor 2 Tagen

Liebe Mirjam,

Ich fühle aus tiefstem Herzen mit dir. Ein Bruder, der immer das Zentrum war und ist, Kontakt, der nicht gesund möglich ist, Gefühle, die nie sein durften und jetzt mühsam ihren Platz finden müssen.

Ich habe keinen Trost, außer den, dass wir nicht alleine sind und dass es das Beste ist, was wir machen können, wenn wir endlich uns selbst als kleine Kinder sehen und lieben.

Ich wünsche dir jeden möglichen Sonnenstrahl in deinem Herzen und beneide dich um das Pain au Chocolat ❤️

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