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4 Tage alleine in Istanbul & das leidige Thema Kinderwunsch

Autorenbild: diedreißigerin
diedreißigerin
vor 2 Stunden
4 Min. Lesezeit

Es ist schon wieder November und es macht mich ehrlicherweise ein wenig fertig, wie schnell dieses Jahr vergeht. Überhaupt, wie rasch die letzten Jahre an mir vorbeigezogen sind. Umso wichtiger ist es, die Möglichkeiten zu nutzen und auch ein wenig voraus zu planen. Mein letzter Kurztrip hat mich nachIstanbul geführt. Ich war wieder einmal viel zu Fuß unterwegs und hab mir nebenher über die wohl anstrengendste Frage überhaupt Gedanken gemacht: Möchte ich Kinder?


Auf und davon

Kaum zu glauben, aber es war Zeit für die ersten Ferien dieses Semesters und obwohl ich vorher wenig motiviert war wegzufahren, hab ich mich im Endeffekt dann doch recht spontan für Istanbul entschieden. Ich hätte zwar drölftrillionen Projekte zuhause gehabt, die gemacht werden wollen, aber naja, was soll ich sagen, mein Kopf lässt sich bekannterweise nur im Ausland ausschalten und daher habe ich meinen Städtetrip nach Istanbul quasi als Mental Health Care gerechtfertigt.


Istanbul selbst war ein Träumchen. Die Stadt ist bunt, laut, divers und pulsiert an jeder Ecke. Ich kann es nur immer (immer, immer!) wieder betonen: Alleine zu verreisen ist das Tollste überhaupt. Wenn ich solo unterwegs bin, mache ich genau die Sachen, die zuhause im Alltag keinen Platz finden. An einem Tag hab ich mir draußen Frühstück geholt und mein Brioche mit Serie im Bett genossen, an einem anderen bin ich 30 000 Schritte durch die schönsten Viertel geschlendert und hab mich von einem süßen Shop zum nächsten treiben lassen. Ein Cappuccino hier, ein paar Katzen streicheln da, meine Intuition hatte das Sagen. Wenn ich unterwegs bin, habe ich mein Handy kaum in der Hand, ich denke nicht an die Schule, nicht an die Wand, die noch gestrichen werden muss, nicht an den vermeintlichen Traummann, der sich nicht blicken lässt und schon zweimal nicht an meine Steuererklärung. Nur ich, meine Gedanken und mein Rhythmus.



Am vorletzten Abend habe ich mich etwa für Streetfood entschieden und war schon um sieben Uhr zurück in meinem schmucken Hotel, hab ewig lange heiß geduscht, meine Haare gewaschen und mich dann im flauschigen Bademantel aufs Bett geschmissen, um den ersten Weihnachtsfilm zu schauen. Perfektion, mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.


Wer sich jetzt wieder Sorgen um meine Sicherheit macht. Alles easy, Istanbul hat sich wie jede andere europäische Großstadt angefühlt, in den zentralen Vierteln hab ich mich super wohl gefühlt. Die Türk:innen selbst sind sehr freundlich, die Süßspeisen der Wahnsninn und mit vielen gesunden Katzis in den Straßen kann mich eine Stadt sowieso mehr als glücklich machen. Einzig allein das Essen war als Vegetarierin nicht ganz mein Fall, die Auswahl war einfach sehr beschränkt. Aber naja, es gibt Schlimmeres.



Das eine leidige Thema

Schlimmeres, ja das gibt es wirklich, wie etwa diese fucking biologische Uhr. Wenn ich solo reise liebe ich dieses Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und dem Wissen, dass ich tun und lassen kann, was immer und wann immer ich möchte. Sobald ich nach Hause komme, in mein gewohntes Umfeld, muss ich mir immer öfter die Frage stellen, ob ich das aufgeben würde für ein kleines Menschlein. Ich mag Kinder, sehr sogar, sonst wäre ich nie und nimmer Lehrerin geworden und Kinder lieben mich. Aber ein eigenes? – Dazu braucht es mehr als Kinderliebe, das ist eine lebensverändernde Entscheidung.



Nun, ich habe die Antwort nicht. Ich weiß nicht, ob ich ein Kind möchte oder nicht, ich fühle mich seit Jahren gut damit, keines zu haben, aber wenn ich an die Zukunft denke, dann ist meine Haltung neutral. Die Wahrheit ist, dass ich nicht in der Situation bin, um eine informierte Entscheidung treffen zu können. Ich habe schlicht und einfach nicht alle Karten in der Hand, um spielen zu können. Ein Partner, der sich selbst Kinder wünscht, der Vater anstatt Erzeuger sein möchte, mit dem ich eine liebevolle und gleichberechtigte Beziehung führe, würde vielleicht Klarheit bringen.


Selbst dann, wird diese Entscheidung, zumindest für mich, nicht im luftleeren Raum getroffen. Inzwischen haben die meisten meiner Freundinnen Kinder. Wie werden meine Freundschaften aussehen, wenn ich die einzige ohne bin? Im Moment ist mein Leben prall gefüllt, was wenn mir in 10 Jahren plötzlich auffällt, dass mir im Vergleich mit anderen etwas fehlt. Es ist einfach krass, wie groß der Druck mit Ende dreißig wird, ein gewisses Modell zu fahren. Wie unangenehm die Fragen werden, wenn dein Lebensmodell anders aussieht.


Dazu kommt das Alter, mir läuft wortwörtlich die Zeit davon. Nächstes Jahr werde ich 38, realistisch gesehen ist es vermutlich jetzt schon nicht mehr so einfach, schwanger zu werden. Im Idealfall habe ich noch ein paar Jahre, dann ist die Entscheidung vom Schicksal getroffen worden.


Möchte ich das? Möchte ich diese eine Entscheidung dem Schicksal überlassen oder ist es doch jetzt an der Zeit, meine eigene Zukunft in die Hand zu nehmen? Im Februar habe ich einen Termin in der gynäkologischen Ambulanz. Ich möchte mich zum Thema Social Egg Freezing beraten lassen. Nein, ich möchte nicht mit fünfzig Mutter werden, aber ich möchte mich auch nicht mit 43 ärgern, weil ich damals mit 37 nicht den Schritt gewagt habe, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.


Flugzeug Alpen

Ich bin hin und her gerissen in jegliche Richtung. So gerne würde ich darauf vertrauen, dass das Leben mir das gibt, was das Richtige für mich ist. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass das Leben manchmal schlechten Humor hat und Vertrauen allein eben keine Garantie für ein Happy End ist. Es ist wieder so krass unfair, dass Männer sich mit diesem Thema nicht beschäftigen müssen, dass sie so viel länger Zeit haben, dass sie schon lange mit ihrem Samen tun und lassen können, was sie möchten. In Österreich darf ich erst ab nächstem Jahr legal über meine eigenen Eizellen verfügen, wie krass ist das bitte?


Egal, wie ich mich nächstes Jahr entscheiden werde, ich möchte mir im Idealfall alle Möglichkeiten eröffnen und bestmöglich für mein zukünftiges Ich vorsorgen. Ich nehme Vitamine, gehe zur Vorsorge, hab eine private Unfallversicherung, wieso sollte ich beim Thema Kinderwunsch auf das Universum vertrauen.


Wenn ihr in einer ähnlichen Situation seid, dann hört gut auf euch und lasst euch nicht von gesellschaftlichen Konventionen und euch auch nicht einreden, dass ihr hinterher hinkt. Die biologische Uhr ist leider real, aber auch hier lässt sich, zumindest ein bisschen, vorsorgen. Niemand weiß, wie das Leben auf der anderen Seite wirklich ist. Ein Leben mit Mitte dreißig ohne Kinder ist ganz anders als ein Leben Mitte zwanzig ohne Kinder. Die, die welche haben, wissen nicht, wie es gerade ohne wär. Beides hat Schönes, keine Version ist besser, trotzdem gilt es, nicht die Augen vor dem Thema zu verschließen.

1 Kommentar


Cori
vor einer Stunde

Ich fühle mit dir! In ein paar Monaten werde ich 39. Das Thema Kinder habe ich glücklicherweise aus eigener Entscheidung abgehackt aber trotzdem fühle ich oft eine Leere, die wohl kinderlose Frauen teilweise spüren und damit leben müssen. Auch wenn es eine bewusste Entscheidung dagegen war. Am Ende sind wir ja doch biologisch dafür da, Nachwuchs in die Welt zu setzen und Mutter zu sein.

Obwohl Frau heute bewusst entscheiden kann ob ja oder nein, ist der gesellschaftliche Druck trotzdem da und vorallem das Gefühl, ausserhalb zu stehen. Auch in meinem sozialen Umfeld haben die meisten Kinder und leider fühlt man sich oft etwas allein.

Ich finde es aber unglaublich stark, dass du dich davon nicht beeinflussen lässt und die…

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