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Mein freies 2025 – wenn kein Stein auf dem anderen bleibt

  • Autorenbild: diedreißigerin
    diedreißigerin
  • 20. Dez. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Der Jahresrückblick steht an und wenn ich ehrlich bin, ist das einer meiner absolut liebsten Beiträge. In den letzten Jahren habe ich euch immer durch die Jahreszeiten mitgenommen, oft hatte damals ein Gefühl vorgeherrscht, heuer ist das anders. Dieses Jahr war bunt gemischt, einige Themen sind ganz deutlich zum Vorschein gekommen und vielleicht habe ich endlich das ein wenig gefunden, was ich schon ganz lange suche: Balance. Es gab viel Veränderung, viel Schmerz, viel Wut aber auch ebenso viel Freude, Liebe und Freiheit. 2025 war eine Nummer für sich, ein Jahr auf das ich sehr gerne zurückschaue mit leuchtenden Augen und einem stolzen Lächeln – und einem leicht gebeuteltem Nervenkostüm. :)


Alter Schmerz & neue Wut

Ich weiß nicht, wie ihr aufgewachsen seid, aber in meiner Familie hatten negative und vor allem laute Emotionen wenig Platz, aber ich war immer ein Kind mit großen Gefühlen, das sich dann im Zimmer „ausspinnen“ musste. Direkte Konfrontation und klare Grenzen setzen? – Fehlanzeige, meine Eltern sind die Generation, die gerne alles unter den Teppich kehrt und den Frieden nach außen bewahren möchte. Aus einem Kind mit lauten Emotionen wurde also eine sehr angepasste Jugendliche und eine sehr unsichere Erwachsene. Die Angst, nicht zu passen, verfolgt mich schon mein ganzes Leben lang, nicht dazuzugehören, zu viel zu sein, anders zu sein.   


Frau im Schnee

Nun, die Erwachsene ist zum Glück zur Therapie gegangen, dass die alten Wunden trotzdem noch schmerzen, kann ich nicht leugnen. Dieses Jahr musste ich mich viel mit Ungerechtigkeiten in der Familie und einem Kreislauf an alten Mustern, der frustrierender nicht sein könnte, auseinandersetzen. Aber etwas ist neu: die Wut, und alter Schwede, ich bin so wütend, dass ich hin und wieder selbst überrascht bin, wo das herkommt. Diese Wut ist laut und sie hilft mir Grenzen zu setzen, für mich einzustehen, zu konfrontieren und die ewig gleichen Diskussionen zu führen. Ich lass mich nicht mehr ins Zimmer schicken, auch wenn das für alle Beteiligten leichter wäre, ich mach bei diesem toxischen Zirkus nicht mehr mit und ich stehe für mich ein, auch wenn das unbequem ist.


Diese Kämpfe mit transgenerationalem Trauma sind endlos anstrengend, die Rolle der ältesten Tochter dabei maximal undankbar, bevor sich nämlich etwas lösen kann, tut es weh und das ist den meisten leider zu anstrengend. Aber naja, die Wut is da und ich bin stolz, dass ich mich für einen neuen Weg entscheide und diesen Kreislauf an stillem Geleide durchbreche.



Das heikle Thema mit der Verantwortung

Wenn ich diesem Jahr ein Wort geben müsste, dann wäre es vermutlich Verantwortung. Einiges an Verantwortung, die nicht meine war, und auch viel Verantwortung für mich selbst, meine seelische und körperliche Gesundheit, meinen Lebensentwurf, meine Heilung und meine Entwicklung. Für mich war das Wort ganz lang negativ konnotiert, keine Ahnung warum, ich wollte keine Verantwortung tragen, weder für mich noch für andere, aber das führt zu einem Leben, das fremdbestimmt ist.


Frau in Mailand

Ich habe dieses Jahr Verantwortung für meinen Vater übernommen, ich habe bestimmt, dass es jetzt Zeit für ein Heim ist, ich habe die ganze Bürokratie übernommen, ich habe die Wohnung ausgeräumt und ich habe auch entschieden, die Erwachsenenvertretung zurückzulegen und zuletzt die Verantwortung am Papier abzugeben. Mein Vater ist jetzt gut umsorgt, er fühlt sich wohl und seine Demenz wird sich weiterhin verschlechtern, ich hab die letzten Jahren über meinen Grenzen für ihn gesorgt und jetzt bin ich ausgestiegen. Ich besuche ihn, wenn ich Lust drauf habe, wenn ich dort bin, muss ich mich selbst ermahnen, dass ich nicht in die Schubladen schaue und nicht das Badkästchen sortiere, es ist nicht meine Aufgabe aber meine Verantwortung, mich zu lösen.


Ebenfalls hab ich dieses Jahr (hoffentlich endgültig) gelernt, dass manche Menschen einfach keine Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen wollen – auch wenn das schmerzt – und es nicht meine Aufgabe ist, sie dazu zu bringen. Ich hätte so gerne, dass meine Eltern sich im Konflikt mit der Oma endlich klar positionieren, tun sie aber nicht, ich hätte so gern, dass mein Bruder kein leeres „ich kann das einfach nicht“ bei Problemen in den Raum wimmert, tut er aber nicht, und ich hätte so gern, dass sich mein Ex für sein ultramieses Verhalten letztes Jahr bei mir entschuldigt, tut er aber nicht. Das könnte mich auf die Palme bringen, tut es auch regelmäßig, aber ich möchte eigentlich keine Therapeutin spielen und schon zweimal nicht erwachsenen Menschen vorkauen, wie Verantwortung funktioniert. Es fällt mir sehr schwer, aber ich versuche hier die Verantwortung abzugeben, weil sie schlichtweg nicht meine ist und zu akzeptieren, dass ich hier absolut ohnmächtig bin (sagte sie, während sie mit den Zähnen knirschte).



Liebesgeschichten & ein neues Zuhause

Nun, 2025 war mit einer Liebesgeschichte gestartet und es endet auch mit einer. Der GenZ Mann hatte mir ein wenig den Kopf verdreht, rückblickend waren’s vermutlich die schönen Locken und das dringende Bedürfnis, auch endlich jemanden zu haben. Aber dieses Jahr hatte noch viel schönere Beziehungen im Ärmel, die zu meinen Freundinnen und die zu meinem Zuhause. Ich kann auf viele schöne Brunchdates, Kaffeetratscher, Bummelrunden, Ausflüge und Abendessen in schönen Lokalen mit meinen Besties zurückschauen.


Besties um Tisch

Die Beziehung zu meiner Wohnung, die so dramatisch begonnen hat (ich erkenne hier ein Muster), hat sich in eine ganz fantastische Liebe entwickelt. Manchmal sitze ich mit meinem Cappuccino auf meiner Couch, während mir die Morgensonne ins Gesicht strahlt, und kann gar nicht fassen, dass ich so schön wohnen darf, dass das alles nur mir gehört und genau so aussieht, wie ich es möchte. Jedesmal, wenn ich meine Ananas-Tapete sehe, hüpft mein inneres Kind und kreischt vor Begeisterung. Ich habe hier ein Zuhause gefunden, einen Ort, wo ich spätabends bei lauter Musik durch die Räume tanze, wo ich Zeit für meine Träume habe, wo ich meine Lieben um einen großen Tisch versammeln kann, wo ich mich richtig fühle und wo mir nichts und niemand fehlt. Es ist nach wie vor nicht alles fertig, aber ich könnte nicht glücklicher sein.


Wohnzimmer


Widde widde wie

Zuletzt kommen alle drei Themen – Wut, Verantwortung und Liebe – zusammen und haben zu einem geführt: Freiheit. Ich bin meine größte Lovestory dieses Jahr, ich hab die Wut über ein sehr zähes und auslaugendes 2024 gespürt, ich bin in die Verantwortung gegangen und hab mehr denn je verstanden, dass ich tun und lassen kann, was ich möchte. Im Frühjahr bin ich alleine von Bologna nach Florenz gewandert, kurz darauf hab ich beschlossen, meinen Job erneut auf Eis zu legen und mir eine Auszeit zu gönnen bzw. eigentlich wollte ich mich ja beruflich neu orientieren, aber es kam anders und ich ging reisen.


Frau vor Dom in Florenz

Wenn ich die Augen schließe, spüre ich den Wind der Ostsee auf meiner Haut, die Sonne Portugals in meinem Gesicht und den Duft von frischen Cornetti in meiner Nase. Ich hab mir dieses Jahr Träume erfüllt, Abenteuer, die schon lange in meinem Kopf geistern, realisiert, ich hab mich gehört und Verantwortung übernommen, große Entscheidungen getroffen und auch die finanziellen Konsequenzen ausgehalten. Alles Schöne, was ich dieses Jahr erlebt habe, war auch immer mit Angst und Verzicht verbunden, so ist das nunmal. Meine Therapeutin sagt immer, dass ich die Dirigentin meines eigenen Lebens bin und wo Töne gespielt werden, passieren auch Fehler, trotzdem will ich kein Leben ohne Musik führen.



2025 war bunt und voller Hochs und auch einiger Tiefs, ein Jahr, dass viel Veränderung gebracht hat und in dem ich viel alleine aber nie einsam war.


Das klingt jetzt alles ultra romantisch, aber ich kann euch versichern, dass die Lows richtig kacke waren, dass ich viel geweint habe, dass sich manche Momente so trostlos angefühlt haben, dass ich körperliche Symptome erlebt habe und dass ich manche Konflikte leider ins neue Jahr mitnehmen muss, so ist das eben und trotzdem fühlt es sich insgesamt schön an.


Ich möchte dich einladen, deinen eigenen Jahresrückblick aufzuschreiben, du wirst sehen, dass ziemlich viel Tolles passiert ist, auch wenn einige Hürden dabei waren. Vielleicht willst du auch ein kleines Vision Board für 2026 machen, ich halte mich auch dieses Silvester von einzelnen Vorsätzen fern sondern probiere das Gesamtkonzept zu manifestieren.


Ansonsten steht wieder die wohl herausforderndste Woche des Jahres an : die Weihnachtsfestlichkeiten gepaart mit Jahreswechselmelancholie. Und nein, du musst nicht alles erledigt haben, du musst nicht überall dabei sein und du darfst diese Zeit so gestalten, wie du möchtest.


Ich für meinen Teil werde den Jahreswechsel dieses Mal im Warmen verbringen, allein, ich hatte schon eine andere Version für mich zuhause im Sinn, aber die innere Stimme war wieder laut. Es wird ein Träumchen aus 1001 Nacht.

4 Kommentare


Gast
vor 6 Tagen

So gut wieder einmal, das mit der Verantwortung hat mir zu denken gegeben. 🫶🏻

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diedreißigerin
diedreißigerin
vor 4 Tagen
Antwort an

Danke 💕

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Gast
20. Dez. 2025

Ich freue mich auch jedes Jahr auf diesen Beitrag! LG 😀

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diedreißigerin
diedreißigerin
vor 4 Tagen
Antwort an

Wie schön, danke, dass du hier bist! 💕

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