• diedreißigerin

Zwangspause, Tränen & Vanillepudding!

Vor über sieben Wochen bin ich krank geworden und seitdem hab ich mit meiner Gesundheit zu kämpfen. Vorher war es der Hals, dann kamen die Ohren inklusive Tinnitus und als Draufgabe haben sich noch die Nebenhöhlen dazu geschlichen. Augen zu und durch, ich hab fleißig weiter gearbeitet, mir halbwegs gut zugeredet, versucht zu sporteln, zu funktionieren und den ganzen Wohnungskauf über die Bühne zu bringen. Am Montag kam dann der CT-Befund: chronische Nebenhöhlenentzündung beidseitig plus akute Entzündung linksseitig. Pause, Over, Ende und Out.

 
Schwere Zeiten!

Seit ich mich zurück erinnern kann, fällt es mir sehr schwer, mit Verletzung und Krankheit umzugehen. Es ist der Kontrollverlust meint meine Therapeutin, damit wird sie nicht ganz unrecht haben, nichts, absolut nichts macht mir mehr zu schaffen, als wenn es mir körperlich nicht gut geht und ich nicht wie gewohnt durch den Alltag tänzeln kann. Der Sport fehlt, die Psyche knickt mit ein und ich bade mich in Seen von Selbstmitleid. Rein rational gesehen weiß ich, dass auch die kommenden vier Wochen mit Antibiotikum und Kortison vorbeigehen werden, dass ich den Krankenstand überstehen und das Gefühl des Eingesperrtseins austricksen werde, aber die letzten Tage waren hart.

Am Montag, als mir der mehr als nüchterne HNO-Arzt die Diagnose – ich hatte nichts Dergleichen erwartet, eigentlich wollte ich nur den Tinnitus eliminieren – und die Behandlung verkündet hat, bin ich schlichtweg in Tränen ausgebrochen und hab in meine FFP2-Maske geweint. Mit einem „das ist halb so schlimm“ konnte mich der augenscheinlich überforderte Mann nur wenig trösten, er holte seine zwei Assistentinnen (Männer!), aber auch deren Worte und Glas Wasser wollte ich nicht. Also bin ich heimspaziert, weinend und zuhause hab ich weiter geweint, weil mir das Ausmaß der ganzen Sache bewusst wurde. Kein Trip in den Herbstferien (ich hab natürlich keine Stornoversicherung), kein Konzert im Oktober, keine Dates, keine Herbstwanderungen und keine Freiheit, um tun und lassen zu dürfen, was ich möchte. Den Dienstag hab ich mit Netflix verbracht, die ganze Staffel Die Kaiserin geschaut, vermutlich noch vier weitere Stunden ins Handy gestarrt und drei Alpro Vanillepuddinge gefuttert.

Wenn’s läuft, dann läuft’s.

Der Mittwoch ging so ähnlich weiter, ein kleiner Trip zur Therapie war das Highlight. Der Kontrollverlust war Thema, ebenso wie meine Verlustangst, wenn ich nicht funktioniere. Wenn es mir schlecht geht, dann ziehe ich mich zurück und die Welt muss riechen können, was ich genau brauche. Wer sich nicht kümmert, hat mich nicht lieb – so einfach ist das in Ausnahmezeiten in meinem Kopf. Das sich das dann oft bestätigt, könnt ihr euch eh vorstellen und dann geht das Selbstmitleid in die nächste Runde gepaart mit den schlimmsten Glaubenssätzen.

Tja, gute und schlechte Neuigkeiten: Nur ich bin dafür verantwortlich, mich um mich zu kümmern, alle anderen sind ein Plus. Ich bin wieder in die Falle getappt, hab die Truhe mit den alten Monstern geöffnet und fröhlich eines nach dem anderen ausgepackt und mir ans Bett gestellt. Alle haben es schöner, ich muss immer alles alleine schaffen, nie ist das Glück auf meiner Seite, alles fühlt sich nach Kampf an usw. Dazu hab ich mich gleich an die Menschen gewendet, von denen zu erwarten war, dass sie mir nicht das geben können, was ich brauche: leiblicher Vater und Exfreund. Eine Shitshow sag ich euch, sondergleichen. Hätt ich mir von außen zugesehen, hätt ich mich rütteln und schütteln wollen.


Atmen, Sortieren und Reset drücken.

Nun ja, es ist Freitagabend und ich hab den Tiefpunkt erreicht und das Schöne an Rock bottom ist, dass es dann wieder nach oben geht. Meine beste Freundin war diese Woche liebevoll für mich da, auch meine Mama hat sich viel aus dem Urlaub gemeldet. Trotzdem, ich bin müde, abgeschlagen und ausgelaugt. Jetzt, nachdem ich gezwungenermaßen rasten musste, hat sich gezeigt, wie furchtbar anstrengend die letzten Sommerwochen waren, wie gehetzt ich durch die Tage gelaufen bin und wie gestresst meine Seele war – sogar mein Ohr zeigt ganz deutlich, dass es zu viel ist und summt fröhlich vor sich hin.


Ich kann mich nicht erinnern – Urlaube ausgenommen – wann ich in den letzten zwei Jahren, seit ich alleine in meiner Wohnung lebe, mehrere Tage völlig entspannt war und nicht an einer nie zu schaffenden Liste gearbeitet, mich nicht meiner Selbstoptimierung gewidmet, nicht soziale Kontakte und/oder mein Äußeres gepflegt habe. Ja, Dienstag war so ein Tag, das war nicht schön anzusehen, aber nichts ist passiert, nur weil ich acht Stunden (keine Lüge) in einen Bildschirm gestarrt, nicht geduscht und mich von Pudding ernährt habe.


Es ist Zeit für eine Pause. Im Moment bin ich wenig kreativ, fühl mich wenig inspiriert und stattdessen immer getrieben, schnell alles auf die Reihe zu bekommen. Ich möchte wieder ruhig atmen, spazieren gehen, Bücher lesen und lange ausschlafen, mein Handy zur Seite legen und schauen, was passiert, wenn die Tage einfach stattfinden ohne Plan und ohne Ziel. In den Ferien hab ich das verpasst, zu groß waren die Erwartungen und zu ungeduldig der Geist. Im Moment hab ich gerade das Gefühl, mich verloren zu haben in der Welt der Erwachsenen, jede meiner Überlegungen hat die Konsequenzen im Hinterkopf und jede meiner Handlungen arbeitet auf ein größeres Ziel hin. Nichts passiert, alles wird gemacht.


Auf Wiedersehen und bis bald.

Das heißt auch, dass der Blog nun in die Pause gehen wird. Auch wenn ich jetzt viel Zeit hätte, möchte ich mir nicht wieder Deadlines vorschreiben und Druck für etwas machen, dass nur Spaß bringen sollte. Ich mache das hier sehr gerne, aber in letzter Zeit bin ich viel am Jammern und ich würd wieder gern ein bisschen über die Sonnenseiten schreiben. Vorher also Leben, die Sonne entdecken und dann berichten. Das ist schwer, andere zu enttäuschen ist immer eine Herausforderung, Erwartungen nicht zu entsprechen die Königsdisziplin. Aber ihr könnt auf Instagram ein bisschen mitschauen, dort habe ich gerade Lust, ein bisschen kreativ zu werden und mich auszuprobieren.

Eine Pause, die ich so nicht wollte, und wohl dringend brauche. Zum Glück vom eigenen Körper gezwungen, fies aber fair. Ich kann euch gar nicht sagen, was ich so vorhabe, ich weiß es nicht. Vielleicht schau ich 300 Stunden Netflix, vielleicht lese ich zehn Bücher, vielleicht mach ich Yoga oder esse jeden Tag Knödeltris, mit Sicherheit werde ich versuchen, mir jede Freiheit zu nehmen, die ich kriegen kann. Rasten, entdecken, neu ins Leben verlieben.

 

Pausen sind schwer, vor allem wenn du dich wie ich über deine Erfolge definierst. Chronische Leiden sind ebenfalls eine riesige Belastung, ich fühle mit dir, wenn es dir gesundheitlich auch grad nicht so gut geht oder du ein noch viel schwereres Päckchen zu tragen hast. Du bist nicht weniger wert, weil du länger schläfst, heute nichts geschafft hast und auch noch morgen auf der Couch bleibst. Du hast nicht versagt, wenn die alten Muster wieder kommen und du musst dich nicht schämen, wenn du kein Stückchen voran gekommen bist. Sagen wir es uns gemeinsam vor: Ich bin wertvoll, so wie ich bin.

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