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6 Wochen Sri Lanka – Teil II: Weihnachten und Silvester alleine auf der Insel & ein Jahresrückblick!

Ich hab mich getraut und meine zwei schwierigsten Feiertage alleine und auf einer Insel verbracht. Wie gut das geklappt hat, könnt ihr in den folgenden Zeilen lesen, so viel kann ich schon verraten: Es kam ganz anders als geplant und das im positiven Sinne. Diese Tage zwischen Weihnachten und Silvester sind schon immer so eine Sache, gefüllt mit Erwartungen, Ängsten, Stress und einer Armada an Vorsätzen, zumindest waren sie das zuhause immer. Dieses Jahr hab ich gechillt, lange Spaziergänge gemacht und in erster Linie über die letzten 12 Monate reflektiert anstatt mich von 2024 stressen zu lassen. Das hat erfrischend gut getan und war für meine innere Monkin sehr heilsam, aber lest selbst.

 

Oh du fröhliche...

„Was, du bist Weihnachten nicht zuhause?“ – diese Frage wurde mir im Vorfeld nicht nur einmal ungläubig gestellt. Leute waren schockiert, haben mir versichert, dass sie das nie könnten und mich ein bisschen unsicher werden lassen, ob ich das denn kann. Ich bin nicht bewusst über Weihnachten weg, also mir war schon klar, dass ich nicht zuhause sein werde, aber ich bin Anfang Dezember nach Sri Lanka und wollte dort auch sechs Wochen bleiben. Weihnachten am Strand mit geschmückten Palmen und kalten Drinks statt trostloser Winterkälte, Feiertagslethargie und deftigem Essen, die Idee klang so schön. Ich hab mich drauf gefreut, aber Mitte Dezember und nach dem beschwerlichen Start auf der Insel hatte ich auf einmal Respekt vor den Feiertagen allein. Depri-Präventionsmaßnahme: Ich habe mir zwei sehr schicke und unverschämt teure Hotels gebucht, um sicherzustellen, dass mein räumliches Umfeld tiptop ist.



Nun, der 24. kam immer näher und ich hab mein bestes Leben am Strand geführt. Meine Unterkunft war super, der Ort Hiriketiya war total entspannt und kurzerhand hab ich beschlossen, nicht wie geplant weiterzuziehen, sondern Weihnachten dort zu verbringen. Ich kenn mich selbst ganz gut, am 24. an einen unbekannten Ort und in eine neue Unterkunft zu fahren, hätte böse ausgehen können. In Hiriketiya hab ich mich fürs Weihnachtsdinner angemeldet, den heiligen Abend praktisch am Pool verbracht, bin lange am Strand spaziert, hab den Sonnenuntergang angeschaut, mich selbst abends zu einem 7-Gänge-Menü ausgeführt und nach einem kurzen Gespräch mit meinen Eltern bin ich noch vor Mitternacht schlafen gegangen – in einen 4er Dorm, mit Frauen, die auch alle Weihnachten weit weg von zuhause verbracht haben. Es war perfekt und erfrischend einfach.




Reflexion, Neuanfang und Sonne im Gesicht

Am 25. hab ich schon gar nicht mehr an Weihnachten gedacht und bin dann tatsächlich in eine kleine Ruheoase in Madiha und zwei Tage später in die wohl schönste Unterkunft dieser Reise mit perfektem Yoga-Rooftop in Weligama umgezogen. Meine Tage bis Neujahr waren sehr entspannt, ich hab jeden Morgen mit Yoga und Sonne im Gesicht gestartet, hab zu surfen begonnen, viel und gut gegessen und eben einfach die Seele baumeln lassen. Hach, das waren wirklich sehr schöne Tage und am liebsten wäre ich auch über Silvester dort geblieben, aber die Unterkunft war ausgebucht. Also ging’s nach Ahangama und dort hatte ich leider mit beiden Unterkünften Pech, selbst verschuldet, ich war zu spät dran, wollte doch nicht mehr ins überteuerte und abseits gelegene Hotel und musste nehmen, was noch übrig war.



Tja, mein neues Jahr habe ich im Hostel gestartet, mit Regen und PMS – so war das und trotzdem hat es sich irgendwie genau richtig angefühlt. Silvester hab ich mich in ein schönes Restaurant ausgeführt, bin bei der Vorspeise schon mit einem deutschen Paar neben mir ins Gespräch gekommen, mit denen dann noch zum Strand, hab Feuerwerke angeschaut und bin dann als erste in meinem 6er Schlafsaal ins Bett gegangen. Silvester war schwer, das will ich gar nicht leugnen, aber das war’s zuhause die letzten Jahre auch. Ich mach mir selber so viel Druck, dass ich perfekt ins neue Jahr starten muss – alles gleich auf Schiene bringen, ja nichts verpassen und mit ganz vielen Vorsätzen so richtig durchstarten. Und es ist halt auch so ein typischer Pärchen-Feiertag, Mitternacht wird geschmust und mit verliebten Augen an die Zukunft gedacht. Fünf schwere Minuten am Strand und dann bin ich gegangen.



Mein Silvester war nicht perfekt, ich hatte keine Vorsätze aufgeschrieben, hab mir keine Regeln auferlegt und keine großen Ziele gesteckt, Neujahr ist einfach so passiert. Am ersten bin ich um neun Uhr morgens zum Yoga, ich war die einzige auf diesem schönen Deck. Im Hintergrund der Dschungel, Stille, weil alle noch schliefen, nur ich und die Lehrerin, unser Atem, fliesende Bewegungen und ganz viel Altes, das ich auf dieser Matte liegen gelassen habe. Nach Shavasana liefen mir die Tränen über die Wangen, Natalija hat mich lange in den Arm genommen und danach haben wir uns eine Stunde auf der Matte sitzend unterhalten – ein Gespräch zwischen zwei Fremden, die einander verstehen. Mir kommen auch jetzt noch die Tränen, wenn ich daran denke, weil das so ein perfekter Moment war. Ich hab nicht geweint, weil ich unglücklich war, es waren Freudentränen. Freudentränen, weil ich mich zum ersten Mal, seit ich mich zurück erinnern kann, nicht falsch an Neujahr gefühlt habe. Ich war einfach nur ich und es hat niemanden interessiert, ob ich einen Partner habe, wie alt ich bin, warum ich alleine reise oder ob ich Kinder möchte. Die Bubble – ich sag’s euch, meine Bubble – tut meiner Seele nicht uneingeschränkt gut. Alle fahren das gleiche Modell und ich weiß gar nicht, ob ich mitfahren möchte. Nunja, nach dem Yoga bin ich in ein etwas schöneres Hostel umgezogen, hab ein gigantisches Stück Schokokuchen gegessen und dem Regen zugeschaut, der endgültig deutlich gemacht hat, dass Neujahr ein Tag wie jeder andere und es Zeit ist, die Zügel aus der Hand zu geben.



Ein Rückblick

Vermutlich bräuchte es einen ganzen Beitrag, aber ich versuch mich kurz zu halten. Dieses letzte Jahr war wunderschön, wie es auch schwer war. Die Demenz meines Vaters hat viele alte Wunden aufgerissen, ich glaub, ich hab selten so bitterlich geweint. Der Verlust des Vaters, der er nie war und jetzt nicht mehr sein kann. Der Schmerz über meine Hilflosigkeit, die Schuldgefühle und die zeitliche und emotionale Belastung, das alles war düster und überwältigend, ist es nach wie vor. Aber wie heißt es so schön: Wer abbeißt, muss auch kauen. Ich hab mich entschlossen, diese Aufgabe zu übernehmen, und weiß, dass die Zukunft mit dieser Krankheit noch viele Hindernisse bringen wird.



Wunderschön – ja, das war es auch. Ich war so mutig, dass ich es fast selbst nicht glauben kann. Es ist einfach so passiert, Schritt für Schritt, bin ausgezogen, hab mein Leben in Kartons verstaut, meinen Job auf Eis gelegt, die Koffer gepackt und mein größtes Abenteuer gewagt: 5 Monate allein auf Reisen, allein in den schönsten Städten, in den süßesten Kaffees, tollsten Restaurants, in der grünsten Natur und an den schönsten Stränden. Diese Auszeit mit mir selbst war die allerbeste Entscheidung und ich bin einfach nur verdammt dankbar für diese Wochen und die Leichtigkeit, die sie gebracht haben. Ich glaub, ich hab mich wieder gefunden, stellt sich raus, ich war gar nie weg, nur vergraben unter ganz viel Erwartung, Angst und Druck.


2023 – ich lass dich gehen, aber ich werd immer wieder einmal zurückschauen und mich daran erfreuen, wie sehr ich gewachsen bin und wie glücklich ich sehr sehr viele Tage verbracht habe, egal ob ganz allein oder mit Lieblingsmenschen. Ich hab keine Intentionen fürs neue Jahr, keine Vorsätze und nur einen Wunsch für mich selbst: weiterhin mutig sein.

 

Ich sitze gerade im Co-Working Space, meine Lippen sind rot, meine Haare glänzen von der öligen Massage am Nachmittag und in einer Stunde geht’s zum Abendessen mit Maxi & Fabian (das Silvesterpärchen). An meiner linken Hand glänzt ein goldener (I wish – irgendein Metall eben, trotzdem schön) Armreif, in Blockbuchstaben steht FEARLESS drauf, den hatte ich mir im Frühjahr nach einem schönen Brunch in Hall selbst gekauft. Jedesmal, wenn ich ihn trage, muss ich ein bisschen schmunzeln. Mir macht vieles Angst, aber alleine zu sein, egal wann und wo, gehört nicht mehr dazu. <3

190 Ansichten6 Kommentare

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6 Comments


Guest
Jan 14

Ich kenn dich zwar nicht, aber ich hab ordentlich geweint beim Lesen und fühl genau was du meinst! <3

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diedreißigerin
diedreißigerin
Feb 13
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Dankeschön, das freut mich sehr! <3

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Guest
Jan 13

♥️

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diedreißigerin
diedreißigerin
Feb 13
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💕


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Guest
Jan 13

🥺❤️

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diedreißigerin
diedreißigerin
Feb 13
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👑

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