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6 Wochen Sri Lanka – Teil I: Ein beschwerlicher Start allein!

Nun, wer mir auf Instagram folgt, weiß bereits, dass mich meine Fernreise nach Sri Lanka geführt hat. Sechs Wochen werde ich hier insgesamt verbringen, einmal so richtig abschalten und die Sonne und die warmen Temperaturen genießen, während zuhause alle im Winter frösteln. Ich bin sehr selbstsicher in diese Reise gestartet, hab den alten Rucksack aus dem Keller geholt und nur die erste Nacht in Colombo gebucht. Das Wetter hätte mir fast einen Strich durch die Rechnung gemacht, da der Münchner Flughafen aufgrund der abrupten Schneefälle mehrere Tage gesperrt war. Trotz eingestelltem Betrieb und Schneeregen am Vormittag, konnte ich dennoch pünktlich am 5. Dezember starten, auch wenn mich mein Papa zum Flughafen bringen musste, weil die Bahnstrecke ebenfalls gesperrt war. Und dann war er da, der Kulturschock meines Lebens!

 

Andere Länder, andere Sitten

Ich hab in meinen Zwanzigern bereits einige Fernreisen gemacht, war zusammen mit meiner besten Freundin in Kambodscha, Vietnam, Tansania und Kuba und dann einmal mit meinem damaligen Partner in Panama – eigentlich hätte ich also wissen müssen, was mich erwartet. In den letzten Jahren war ich vorher Covid und danach Bequemlichkeit bedingt aber ausschließlich in Europa unterwegs, was einfach sehr sehr anders ist als Überseereisen. Albanien war schon eine Herausforderung, aber die erste Woche in Sri Lanka hat mich ein bisschen an meine Grenzen gebracht.



Der Lärm, der Dreck, die ärmlichen Häuser, Müll überall, verhungerte Hunde und eine Schar an Menschen, die mir zu jeder Zeit einen Service anbieten oder etwas verkaufen wollten – ich war nicht nur überfordert sondern verzweifelt und vor allem fest davon überzeugt, dass ich hier keine sechs Wochen überstehe. Rückblickend kann ich natürlich sehen, dass ich mir selbst nicht den besten Start ermöglicht habe, ich wollte eintauchen, lokal essen und Öffis benutzen und ich hatte vor allem beschlossen, im Inland zu starten.



Fehlende Lieblichkeit, Lebensmittelvergiftung und Tränen

Am Tag nach meiner Ankunft und dem ersten Kulturschock in Colombo (Hauptstädte in fernen Ländern sind immer krass) bin ich im Zug dritte Klasse nach Kandy gefahren. Muss frau eine Zugfahrt in Sri Lanka gemacht haben? – vermutlich nicht. War es trotzdem ein Erlebnis? – definitiv. In Kandy hatte ich mir klugerweise ein sehr schönes Hotel für zwei Nächte gegönnt, welches ein bisschen außerhalb der Stadt lag und von sattem Grün umgeben war. Ich bin dann in die Stadt spaziert und wurde dahingehend belehrt, dass Kandy gar nicht so süß ist, wie der Name vermuten lassen würde. Schlicht trostlos, aber der Spaziergang um den See war schön und auch der Zahntempel war sehr sehenswert. Was ich hingegen nicht entdeckt habe, war ein nettes Restaurant oder ein ansprechendes Café. Am zweiten Tag hab ich mir noch den Buddha angesehen und ein paar Stunden in einem halbwegs netten Café verbracht bevor es am Tag darauf weiter nach Dambulla ging. Dort hab ich den Felsentempel besucht, was wirklich sehr schön war, abends wiederum sehr einfach Curry gegessen und den restlichen Abend im Dunkeln verbracht, weil es keinen Strom gab.



An Tag fünf meiner Reise bin ich mit einem Tuktuk weiter nach Sigiriya, wo es dann endlich den ersten guten Cappuccino in einem netten Café gab (mir ist durchaus bewusst, dass ich wie die Obertouristin klinge). Am nächsten Tag ging es dann auf den Pidurangala Rock mit wunderschönem Blick auf den Lion’s Rock, abends zu einer herrliche Massage und zu einem halbwegs guten Fried Rice Dinner, die Lage schien sich zu bessern und ich war guter Dinge. Naja…zumindest bis zum späteren Abend, als plötzlich die Lebensmittelvergiftung meines Lebens vorbeischaute. Ich kann echt viel aushalten und mich erwischt auch hin und wieder ein Magen-Darm-Virus, aber diese Nacht war von einem anderen Kaliber. Ich will euch die Details ersparen, aber es ging über Stunden und selten hab ich mich so hilflos und einsam gefühlt. Dementsprechend hab ich meiner Mama, nachdem es in Europa endlich in der Früh war, ins Telefon geweint. Krank sein alleine im Ausland ist einfach kacke, wenn ein ganzer Ozean zwischen dir und deiner Familie liegt, ist es noch beschissener.



Aber naja, ich hab mir ein Taxi genommen, bin zurück ins schöne Hotel nach Kandy und hab gefühlt drei Liter Elektrolyte getrunken, aber mein Körper hat geschmerzt und meine Psyche war am Tiefpunkt.



Regen & Planänderung

Trotzdem bin ich am nächsten Tage weiter nach Nurawa Eliya für eine Nacht und danach nach Ella für zwei weitere Nächte. Was soll ich sagen, ich scheine nicht dazu zu lernen, wie war das noch einmal mit den Bergdörfern? Das Wetter war bescheiden, beide Städtchen waren nicht mein Fall und das hervorragend bewertete Hostel eine mittlere Katastrophe. Aber die Wanderung zu Little Adam’s Peak war trotz Regen schön und die Cooking Class war eine erfrischende Abwechslung zu den recht tristen Abenden. Eigentlich wollte ich länger im Inland bleiben, hab mich aber dann spontan fünf Mädels angeschlossen, eine Safari im Udawalawe Park gemacht und bin danach geradewegs an die Südküste in ein hübsches Resort mit Pool, wo ich mir ein Zimmer mit einer Schweizerin aus besagter Gruppe geteilt habe. Das ist das einzig wirklich Tolle an Hostels: Es ist sehr einfach ins Gespräch zu kommen, gemeinsam Pläne zu schmieden und sich einer Gruppe anzuschließen.




Oh du mein Meer <3

An Tag elf meiner Reise hatte ich es also an die Küste geschafft, nach Tangalle, und das Blatt hat sich schnell gewendet. Ein schönes Zimmer, ein toller Pool, ein einsamer Strand und ausgezeichnetes Essen vor Ort – mehr brauch ich nicht (eine einfache Frau – hehe)! Es war auch schön zwei Tage lang nette Gesellschaft zu haben, ich hab mich dann aber auch auf meine nächste Station und me time gefreut. Dort habe ich zwei sehr (sehr sehr) entschleunigte Tage verbracht, hab nur gelesen, Kokosnüsse getrunken und den Wellen am Silent Beach zugesehen. Die Orte waren nach wie vor nicht schön anzusehen, aber das Meer, Abendessen mit Wellenrauschen und etwas anderes als Curry haben all die Lieblichkeit gebracht, die mir zuvor gefehlt hatte.



 

Tja, das waren sie, meine ersten zwei Wochen in diesem wunderschönen Land, das mit vielen Problemen zu kämpfen hat. Inzwischen bin ich in Woche vier meiner Reise und ich genieße meine Zeit in vollsten Zügen, aber mehr dazu verrate ich im nächsten Beitrag. Alleine zu reisen ist und bleibt eine Mischung aus Gefühlen, ein Aneinanderreihen von unglaublich schönen Erlebnissen und schweren Tagen, eine unglaubliche Herausforderung auf die beste Art und Weise, die täglich aufs neue bestritten werden muss.


Ich hoffe, ihr rutscht alle gut ins neue Jahr, seid euch im Klaren, dass Jahreswechsel geprägt von Erwartungen und Enttäuschungen sind und ihr nichts weiter tun müsst, als euch einfach eine feine Zeit zu machen. Ich nehme dieses Jahr Abstand von Vorsätzen und versuche mit mir zufrieden zu sein, genauso wie und wo ich gerade bin. <3

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