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Freund:innen fürs Leben?!

Anlässlich der aktuellen Situation und des bevorstehenden Valentinstags möchte ich den heutigen Beitrag nutzen, um über Freundschaften zu reflektieren und das Konzept Freund:innen fürs Leben unter die Lupe zu nehmen. Freundschaften sind so individuell wie romantische Beziehung, nur dass auf ihnen vielleicht noch mehr Druck liegt, dass sie für immer sein müssen. Freund:innen sind im Idealfall für dich da, wenn du dich trennst, wenn es dir schlecht geht, wenn du Erfolg hast, wenn du launisch bist und selbst wenn du dich in eine komplett andere Richtung entwickelst – eine ziemlich große Erwartungshaltung, die vermutlich in vielen Fällen nicht erfüllt werden kann. Dass manche Freundschaften womöglich doch nicht für die Ewigkeit sind, ist mir erst in letzter Zeit mit einem ziemlich unguten Gefühl im Magen bewusst geworden.

 
In den Kinderschuhen…

…starten meist unsere ersten Freundschaften, noch vor dem Kindergarten habe ich damals meine erste Freundin fürs Leben gefunden, meine Nachbarin. Leider durften wir in der Volksschule nicht die gleiche Klasse besuchen, den Schulweg haben wir trotzdem gemeinsam bestritten, aber ich fand auch Freundinnen in der neuen Klasse. Das gleiche Spiel in der nächsten Schule und dann später im Gymnasium. Diese ersten „besten“ Freundinnen waren an einen Kontext gebunden, natürlich haben wir auch außerhalb der Schulzeit etwas unternommen, aber gehalten hat keine dieser Freundschaften, vermutlich lag das in der Natur der Dinge.

In den Teenagerjahren machen wir uns über die Menschen in unserem Leben noch nicht so viele Gedanken, haben wenig Vorstellung vom Konzept Freundschaft und suchen uns Bezugspersonen nicht gezielt selbst. Rückblickend war das völlig okay, damals hat es mich auch nicht belastet, wenn nach dem Schulwechsel Freundinnen „verschwunden“ sind, es gab schließlich sofort einen neuen Rahmen und neue Bekanntschaften.


Die Studienzeit

Am Anfang meiner Studienzeit hatte ich hingegen Probleme, mir – als generell schüchterne und introvertierte Persönlichkeit – ein neues Netzwerk aufzubauen. Nie hatte ich mich einsamer gefühlt, als in den vollen Hörsälen, in denen gefühlt jede:r der Studierenden jemanden zum Quatschen hatte, während ich sehnsüchtig gewartet hatte, bis endlich die Vorlesung startete.


Erst im zweiten Studienjahr und nach einer sehr traurigen Trennung von meinem ersten langjährigen Freund (wir hatten uns übrigens lebenslange Freundschaft geschworen – räusper), hatte ich erste Kontakte geknüpft, langsam die tollen Frauen getroffen, die schon wenig später meine vorarlbergerische Gang waren. Die Studienjahre waren, freundschaftlich gesehen, sehr schön, weil ich erstmals Teil einer Clique war und nebenbei auch noch eine weitere Freundin aus Innsbruck gefunden hatte, die sich nach einer besten Freundin anfühlte.

Mit dem Abschluss und meinem Umzug nach Salzburg wurden auch diese Freundschaften eine Herausforderung. Nach Jahren, die mit unkomplizierten Treffen in den Vorlesungspausen und den schönen wöchentlichen Traditionen wie Stammtisch etc. gefüllt waren, sahen wir uns plötzlich kaum noch, die Berührungspunkte wurden weniger und die Interessen und Lebensumstände glitten auseinander. Manche fingen sofort arbeiten an, andere gründeten eine Familie und ein paar zogen ins Ausland.


In dieser Zeit wurde mir erst bewusst, was es heißt, Freundschaften zu pflegen. Viele Male bin ich nach Vorarlberg und die Schweiz gefahren, nach England geflogen oder nach Wien gedüst, um meine Liebsten zu besuchen und bei ihren schönen Ereignissen dabei zu sein. Einige dieser Freundschaften haben sich gehalten, es ist nicht mehr so intensiv wie früher und wir sind uns auch nicht mehr so nah, aber mit viel Verständnis für verschiedene Situationen und ein wenig Mühe haben wir es geschafft, in Kontakt zu bleiben. Manche sind aber auch zerbrochen, obwohl ich nicht damit gerechnet hatte und zurück in Innsbruck, fühlte ich mich nach meiner Rückkehr wieder ziemlich allein.


Bilderbuchfreundschaften?

Also begann das Spiel von vorn, wieder ein neues Umfeld aufbauen und wieder neu Zeit und Liebe in tolle Menschen investieren. Frieda (ein liebevolles Pseudonym) hatte mit mir in Salzburg studiert und nach unserer Rückkehr haben wir uns sehr bemüht, diese anfangs zarte Freundschaft zu kultivieren. Aus Kaffeedates wurden Ausflüge, aus Ausflügen wurden drei mehrwöchige Backpacktrips durch die Welt und aus einer anfänglichen Studienkollegin wurde meine ganz besondere Freundin. Die Freundschaft mit meiner Kindergartenfreundin flammte zu jener Zeit auch wieder auf und bei der Arbeit lernte ich eine weitere tolle Frau kennen. Für zirka ein halbes Jahr hatte ich meine ganz persönlichen SATC-Momente: fancy Dates zu viert in Bars, schöne Kurztrips mit jeder einzelnen und ein freundschaftliches Umfeld, wie ich es mir immer gewünscht hatte. Und dann…


Dann klopft die Realität an!

Ich hatte mich verliebt und in eine Beziehung begeben, meine Kindergartenfreundin ebenfalls und plötzlich haben sich die Prioritäten verändert. Später habe ich mich getrennt und Frieda war in einer Beziehung (praktisch abgeklatscht), dann waren wir beide wieder Single, meine Kindheitsfreundin ist inzwischen Mama und praktisch verheiratet und zuletzt hat sich die vierte im Bunde von mir verabschiedet. Was sich damals nach drei perfekten Freundschaften fürs Leben angefühlt hat, sieht nach kurzer Zeit ganz anders aus.


Veränderungen stellen Freundschaften auf eine richtige Probe, speziell wenn Beziehungen und Kinder ins Spiel kommen. Frieda und ich waren über die Jahre sehr darauf bedacht, unserer Freundschaft genug Raum und Wichtigkeit zu geben, trotzdem war es nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu kriegen. Früher dachte ich immer, das Freundschaften, die sich im Erwachsenenalter bilden, für die Ewigkeit sind, inzwischen weiß ich, dass nichts ohne Hingabe und Fürsorge bleibt und vor allem Freundschaften eine riesige Portion Verständnis, Akzeptanz und Wohlwollen brauchen, insbesondere wenn sich zwei gerade in verschiedenen Lebensabschnitten befinden. Das tut dem eigenen Ego natürlich manchmal weh, Veränderungen sind sowieso nicht meine große Stärke und so unbeschwert wie es früher war, wird es vermutlich nie wieder werden.


Aber…

Ich glaube dennoch, dass es sie gibt, die Freund:innen fürs Leben. Ich hab ein paar gefunden, bei denen ich mir sicher bin, dass sich unsere Wege immer wieder kreuzen, auch wenn sie nicht ständig parallel nebeneinander herlaufen. Ich hab auch begriffen, dass Freundschaften etwas sehr Wertvolles sind, das Schutz und vor allem viel Liebe und Zeit braucht, eben auch wie romantische Beziehungen. Es gilt aber auch anzuerkennen, dass es keine Garantie für Freund:innen gibt, dass Freundschaften sich über die Jahre verändern dürfen bzw. müssen und dass es hin und wieder zu einem schmerzhaften Ende kommen kann. Meine beste Freundin ist ein absolutes Geschenk, mein Lieblingsmensch, die – so wünsche ich es mir zumindest – bis wir alt und grau sind, zwei Stück Kuchen im Café mit mir teilt und auch noch mit achtzig eine Runde mit mir spazieren geht, um über Männer und die Welt zu tratschen.

 

Wenn ihr, wie ich, an diesem 14. Februar Single seid, dann hoffe ich, dass ihr eine Liebeserklärung an eure liebsten Freund:innen und euch selbst aussprecht. Ich gehe zur Maniküre, Blumen gibt’s natürlich auch. Meinen Liebsten werde ich mit Herzen vollgepackte Nachrichten schreiben und sie alle daran erinnern, wie wichtig sie mir sind! Zwei Tage später fahren Frieda und ich nach Südtirol zum Wellnessen, ich mach eine kleine Pause, wir hören uns bald.<3



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