• diedreißigerin

Große Pläne, kleine Niederlagen!

Ich sag’s euch, das waren jetzt wieder ein paar Tage, auf die ich gut und gern verzichten hätte können. Normalerweise würdet ihr ein – es ist gerade alles ein bisschen viel – von mir hören, aber um ehrlich zu sein, war alles ein bisschen wenig: zu wenig Menschen, zu wenig Berührung, zu wenig Sport, zu wenig Appetit und zu wenig Optimismus. Es war eine düstere Woche, die auf die zwei Wochen davor noch düsterer wirkte. Ich hätte jetzt genug und heute hab ich mich dabei ertappt, wie ich fragend in den Himmel geschaut habe, als ob jemand bitte meine Fäden ein wenig anders ziehen könnte. Naja, auf Regen folgt Sonnenschein, zumindest rede ich mir das im Moment ein.

 
Es reicht jetzt auch wieder!

Vor drei Wochen habe ich meinem Ex adieu gesagt und praktisch zeitgleich ist mein Körper offiziell in den Streik gegangen: Halsentzündung, Husten, vereiterte Nebenhöhlen und als Draufgabe noch ein akuter Tinnitus. Meine Yogawoche, auf die ich mich so sehr gefreut hatte, musste ich krank durchziehen und zuhause wieder angekommen, war niemand da. Meine Eltern waren auf Urlaub, meine beste Freundin eine Woche auf Kurs und meine andere gute Freundin lag mit Corona und zwei Kleinkindern zuhause. Mir ging’s schlecht und die Tinnitus Diagnose beim HNO Arzt war dann noch der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ.


Ich hatte große Pläne für diese letzten zwei Ferienwochen nach dem Retreat, wollte die Bergtouren machen, viel Mountainbiken gehen, in der Schule vorarbeiten und mich ausgiebig meinem Instrument widmen. Stattdessen hab ich meinen Ferienausklang verpasst und musste in Selbstmitleid schwimmend von der Couch aus zusehen, wie die Tage viel zu schnell vergingen. Keine Nacht durchgeschlafen, gefühlt 30 Schmerztabletten gefuttert und dem ständigen Ton in meinem Ohr ausgesetzt.

Status quo?

Leider weniger geil, anders lassen sich die letzten drei Wochen nicht beschreiben und langsam hab ich wirklich das Gefühl, dass ich genug gelitten habe und es jetzt wieder bergauf gehen könnte. Besonders diese Woche haben mir das ganze Kranksein und die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation auf die Psyche geschlagen. Ich hatte extra viel Zeit zu grübeln, hab viel geweint und der Kummer hat an meinem Körper genagt. Die Hose schlabbert, ich spüre jede Rippe und mein Popsch ist ein trauriger Schatten seiner selbst und auch schmerzlich repräsentativ für meinen Gemütszustand.


Alleinsein ist in guten Zeiten immer Wellness für meine Seele, aber alleine und krank zu sein, das ist so richtig kacke. Nichts was ich sonst gerne tue, war in letzter Zeit möglich, die Runde zum Höttinger Bild am Sonntag hab ich mit bitteren Halsschmerzen am Montag gebüßt. Stattdessen kann ich mich in unnötigen Gedanken wälzen und meinem Liebeskummer, der in Málaga kaum spürbar war, so richtig hingeben. Wenn, dann mache ich die Dinge ganz oder gar nicht, das gilt auch fürs am Boden sein.


Und jetzt…

…tja, gilt es durchzubeißen, nach dem Tiefpunkt kann es bekanntlich nur wieder nach oben gehen. Heute hab ich sie ausgepackt, die Yogamatte, und ein paar leichte Dehnungsübungen gemacht, ich hab 20 Minuten Flöte gespielt, meine Haare gewaschen, den witzigen Podcast gehört und beschlossen, dass jetzt Schluss ist.


Ich war geduldig, hab gerastet, geweint und noch einmal gerastet und wieder geweint. Hab versucht mir leckere Mahlzeiten zuzubereiten, obwohl ich keinen Appetit hatte, mir den Alpro Pudding (übrigens ist Vanille auch ziemlich mega) und die schokolierten Nüsse (bio und fairtrade versteht sich) reingeschoben und versucht ausreichend zu trinken. Bin auf der Couch geblieben, obwohl ich raus wollte, hab reingefühlt und ausgehalten, obwohl ich mich ablenken wollte. Eventuell hab ich mich mit einem Schmuckstück bei Laune gehalten und zum Glück war meine Frieda diese Woche auch wieder da!


Es war nicht alles so, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht hatte, aber wann ist das schon so. Wenn mich meine Dreißiger eines gelehrt haben, dann, dass das Leben ziemlich willkürlich ist und dir absolut nichts schuldet. Keine gute Fee schickt mir jetzt einen Prinzen, nur weil ich es schwer hatte und ich gewinne auch nicht im Lotto, nur weil ich meine letzten Ferienwochen mit einer argen Verkühlung verschissen habe, wer verkühlt sich eigentlich bei fucking 30 Grad in Spanien?!


Es muss nicht immer perfekt sein!

Morgen habe ich ein Date mit jemandem, den ich vor einem Jahr schon einmal gedatet habe. Ich fand ihn damals sehr nett, er sah gut aus, hatte einen unverschämt sexy Körper, aber mein Herz war woanders und nachdem er nach dem zweiten Date schon verbindlich werden wollte (die Ironie!), hab ich das Ganze recht panisch und wenig charmant beendet.


In der Zukunft werde ich einmal über das Daten in den Dreißigern schreiben, für mich hat sich klar gezeigt, dass ich keine Zeit mehr mit den Falschen verschwenden möchte und penibel kritisch und selektiv bin, das stellt sich in Notzeiten als eher problematisch heraus. Ein Ex hat vor Jahren mal zu mir gesagt, nachdem ich sehr schockiert über die Anzahl seiner Liebhaberinnen vor mir war, dass er lieber neben irgendjemandem als alleine aufwacht. Ich hab das damals scharf verurteilt, nun ja, mir sind in meinen Zwanzigern Männer, die ich (für den Zeitpunkt) toll fand, auch praktisch zugeflogen, mit voller Hose ist leicht stinken.

Sein Credo ist mir heute wieder eingefallen, es wird sicher nicht zu meinem Lebensmotto, weil ich auch sehr gerne alleine aufwache und eben doch gewisse Idealvorstellungen habe, aber für einen Samstagabend und einen Sonntagmorgen ist es gut genug. Vielleicht ist es Zeit, die Unbeschwertheit der wilden Zwanziger wieder auszugraben und einfach ein bisschen Spaß zu haben, all I need is some kind of love.

 

Der letzte Sonntag war richtig schwer, solche Stunden hatte ich schon lange nicht mehr – auch wenn fairerweise viele unglückliche Umstände zusammenfielen – und brauch ich auch demnächst nicht mehr. Wer weiß, was morgen auf mich zukommt, vielleicht ist der Abend ein voller Fail, vielleicht hab ich aber auch einfach eine gute Zeit mit jemandem, den ich nett finde und der mir für den Moment guttut. Wir sind niemandem eine Erklärung oder Verbindlichkeit schuldig, als Frau in einer männerdominierten (Dating)Welt vergesse ich das hin und wieder. Ich date seit über 15 Jahren, absolut jeder Mann, dem ich begegnet bin, hat früher oder später seine eigenen Bedürfnisse an erste Stelle gestellt, Zeit dasselbe zu tun.


Ob in diesem Beitrag klar wird, dass ich gerade die Schnauze voll hab? JAPP! :)

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