• diedreißigerin

Hast du diese schon gelesen, gehört und gesehen? #2

Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr, seit ich zum ersten Mal über Buch-, Serien- und Podcastempfehlungen geschrieben habe. Deshalb gibt es heute eine zweite Runde meiner Lieblinge, die euch eventuell auch gefallen könnten. Ich persönlich liebe Empfehlungen von Leuten, zu denen ich einen Bezug habe, aber ich hol mir auch oft Inspiration aus dem Internet oder von spezifischen Instagramprofilen. Seit letztem Juni habe ich einige Bücher gelesen, vermutlich an die hundert Stunden Podcasts gehört, noch viel mehr Stunden Musik und nach wie vor verbringe ich Abende mit Serien. Ich schau kein Fernsehen, bin kaum auf YouTube und halte mich, wenn möglich, auch von Reels fern, die gnadenlos Stunden am Handy fressen. Wenn ich mich unterhalten lasse, dann mit Genuss und von Büchern, Serien etc., die eine Bereicherung sind. Also…hast du die Folgenden schon gelesen, gehört oder gesehen? :)

 
CONVERSATIONS WITH FRIENDS

Eine kleine Vorgeschichte mit bittersüßem Beigeschmack. Diesen wirklich ausgezeichneten Roman hatte ich vor Jahren von einer Freundin zusammen mit einem weiteren Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen. Damals, muss ich gestehen, hab ich mich über Bücher zum Geburtstag noch nicht wirklich gefreut. Ich musste im Studium mehrere Leselisten sowohl in Deutsch als auch in Englisch abarbeiten und dadurch hatte sich Lesen nicht mehr nach Genuss sondern nach Arbeit angefühlt. Also hab ich die beiden Bücher ins Regal gestellt und einige Jahre ignoriert.

Im ersten Lockdown 2020 hab ich dann eines der beiden Bücher gezückt und konnte mich nicht so richtig darauf einlassen bzw. mochte den Schreibstil einfach nicht, also wieder zurück ins Regal. Kurz drauf kam der Bruch mit ebendieser Freundin, ein paar Monate später habe ich mich von meinem damaligen Freund getrennt, bin in eine andere Wohnung umgezogen und beide Bücher landeten wieder auf meiner neuen Leiste (weil die Wohnung zu klein für ein weiteres Regal ist, haha). Nun, vor nicht allzu langer Zeit hab ich aussortiert und wollte beide Bücher verschenken, weil blöde Gefühle mit ihnen verbunden waren. Dabei hab ich kurz in den ersten zwei Seiten von Sally Rooneys Debütroman geschmökert. Das Chaos in der Wohnung musste dann warten, ich hab die ersten 100 Seiten auf der Couch verschlungen.

Sporadisch zusammengefasst geht es um die zwei Studentinnen Frances und Bobbie, die ein zehn Jahre älteres Ehepaar kennenlernen und durch dieses Begegnung verändert sich die Beziehungsdynamik von allen vier Charakteren. Die Themen Selbstfindung, Liebe, Eifersucht, Intimität und Untreue stehen im Fokus, alles aus der Sicht von Frances, die eben Gespräche mit ihren Freund:innen führt. Ich hab das Buch im Original gelesen und mochte die Sprache und den Stil sehr, bin mir aber auch sicher, dass die Übersetzung alleine schon wegen den vier Persönlichkeiten und den sehr einfühlsam und realistisch beschriebenen Beziehungen lesenswert ist. Für mich eines der besten Bücher seit langem.


AVEC

Heute gibt’s keine Podcastempfehlungen, sondern ich möchte euch eine österreichische Künstlerin vorstellen, die mir erst vor kurzem untergekommen ist: Avec. Mein Papa hatte mir einen Link zu einem Konzert im Kurhaus in Hall geschickt und gefragt, ob ich mitkommen möchte. Nach einem Abend mit viel schöner Musik, emotionalen Texten und toller Energie läuft Avec inzwischen in Dauerschleife bei mir zuhause. Geboren Miriam Hufnagl, steht die äußerst sympathische Oberösterreicherin bereits seit vielen Jahren auf der Bühne und ist international erfolgreich.


Avecs Musik besticht vor allem durch ihre einzigartige Stimme und ganz generell mag ich Indiepop sowieso sehr gerne. Besonders sind auch ihre emotionalen Texte, die mit Themen wie Selbsthass, Liebeskummer, Identitätsfindung und Rastlosigkeit ein wenig wie ein Sprachrohr meiner Generation wirken – Avec darf wohl noch zu den Millenials gezählt werden.

Life waren sie und ihre Band der absolute Wahnsinn, nicht nur wegen der makellosen Performance, sondern vor allem wegen der richtig guten Laune und Stimmung auf der Bühne. Hört mal in „Under Water“ rein, vermutlich kommt euch dieses Lied bekannt vor und vielleicht bleibt ihr ja, ähnlich wie ich, auch bei den drei schönen Alben hängen.


LA CASA DE PAPEL

Ich weiß, ich weiß, ich war late to the game. Viele, viele Monate wurde mir La Casa de Papel, Money Heist oder auch Haus des Geldes von Netflix vorgeschlagen und ich hatte die verschiedenen Titel auch immer wieder in Konversationen gehört, mir war nur nicht klar, dass es sich um die gleiche Serie handelte. Prinzipiell finde ich das Thema Bankraub nicht besonders ansprechend und auch das Titelbild der Serie hat mich nicht wirklich überzeugt. Aber, und das wissen wir ja eigentlich schon lange, frau darf nicht nach dem Äußeren gehen und ich erinnere mich noch gut an den Tag im Oktober letzten Jahres, an dem ich mittags nach Hause kam, draußen ekliges Wetter war, ich mir eine Portion Spagetti mit Pesto gemacht und mehr oder weniger widerwillig die erste Folge beim Essen geschaut habe.


Tja, ich schätze ich habe an diesem ersten verregneten Nachmittag bereits vier Folgen (jede Episode dauert zirka eine Stunde) gesüchtelt und bereits nach Staffel 1 beschlossen, dass ich mir diese Serie einteilen muss, weil sie viel zu schade ist, um einfach so nebenher geschaut zu werden (vl habt ihr auch solche Serien, die ihr neben dem Putzen etc. schaut?). Angefangen von den absolut umwerfenden Charakteren rund um El Profesor und Tokyo über die clevere Handlung und die dramatischen Wendungen bis hin zum großartigen Ende: Die Serie ist Gold und ich werde vermutlich nie wieder eine schauen, die mich dermaßen fesselt.

Nicht nur einmal musste ich auf Pause drücken, weil ich die Spannung nicht aushalten konnte, viele Male hab ich geweint und bis zum Schluss hab ich mit meinen Lieblingsbankräuber:innen in den roten Anzügen mitgefiebert. Nach 5 Staffeln habe ich die finale Episode mit Wein, Nachos und Flugmodus zelebriert und bin dann in böses Post-Serien-Loch gefallen, das bis heute anhält. Auf der anderen Seite war ich auch ein bisschen erleichtert, weil schon krass viel liegen geblieben ist in dieser Zeit bis Weihnachten und auch meine Schlafstatistik in dieser Zeit zu wünschen übrig ließ.

Ich schau mir La Casa del Papel sicher noch einmal im Original an, falls ihr die Serie noch gar nicht kennt, dann darf ich euch herzlich gratulieren, ihr habt noch sehr tolle Stunden vor euch. Hands down die beste Serie auf Netflix.

 

Vielleicht war heute etwas für euch dabei. Ich hoffe jedenfalls, dass ihr eurer eigenen Intuition folgt und nur das lest, hört und schaut, was euch wirklich gefällt. Viel zu lange hab ich selbst geglaubt, gewisse Bücher kennen oder bestimmte Bands mögen zu müssen, um dazuzugehören, viel schöner ist es aber, sich über verschieden Dinge und unterschiedliche Interessen austauschen zu können.


75 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen