• diedreißigerin

Eine Ode an die Skinny Jeans!

Wie oft habe ich sie mir schon vom Körper gepeelt, sie nach dem Sitzen zurecht gezupft, ihre Abdrücke noch stundenlang an meinen Waden gesehen, sie nach dem Waschen in alle Richtungen gedehnt und beim Zumachen kurz die Luft angehalten – die Skinny Jeans ist seit Jahren meine treue Begleiterin, mein liebstes Kleidungsstück und für mich ein Basic, das in jeglicher Kombination immer gepflegt und feminin aussieht. Nun hat die Generation Z sie für uncool erklärt, für mich als Ypsilonerin ein Konflikt, den ich so nicht erwartet hatte. Meine liebste Skinny, heißt es jetzt für immer adieu?!

Die Röhre, a never ending love story.

"If Gen Z have decided that skinny jeans are uncool they can peel them off my cold dead millennial body", heißt es von einer Userin auf Twitter und ich hätte ihr im ersten Moment nicht mehr zustimmen können. Die Röhre war das Fashion-Statement des letzten Jahrzehnts, wie schön die weibliche (und auch männliche!) Silhouette nach dem Untergang der Schlaghosen wieder zur Geltung kam, chic mit Ballerinas und Blüschen, lässiger mit Converse und Sweater, zugegeben ein bisschen fraglich mit UGG-Boots und Hoodie, aber immer sehr schmeichelnd und einfach zu stylen. Spätestens seit high waist wieder ein Revival hatte, bekannte ich mich lautstark dazu, nie wieder etwas anderes tragen zu wollen und habe die schon vor Jahren aufflackernden Trends in Richtung Baggy und Mum-Jeans milde belächelt. Wirklich eine Chance hatte die Karottenhose – so hieß sie nämlich früher – bis vor kurzem bei den Kindern der 80er & 90er nicht, schließlich hatten wir lange genug auf die Röhre gewartet, haben mit ihr unseren eigenen Stil entwickelt und verteidigen sie dementsprechend emotional.

Neue Generation, neue Trends.

Nun haben die Z-ler_innen die Skinny Jeans für out erklärt und uns Millenials gleich dazu. Gen Z hüllt sich gern in Baggys und nennt Karottenhosen jetzt Mum-Jeans (die Ironie dahinter?). Alles muss oversized sein, ein bisschen am Körper hängen und ein wenig ungewollt aussehen. Seit einiger Zeit schmunzle ich schon über diesen Look und lass ihn auch durchaus als trendy durchgehen, aber en vogue, nein, bei aller liebe nicht. Dennoch hat sich morgens schon der eine oder andere kritische Blick in den Spiegel eingestellt, nachdem ich mich in meine engen Jeans gewindet hatte. Gemütlich ist anders, aber sie sehen halt auch einfach hübsch aus. Fashion Magazine und Instagram bestätigen das leise prüfende Stimmchen in meinem Kopf, die Röhre ist nicht mehr hip und Hipster tragen baggy. Was bis vor kurzem als Relikt des vorigen Jahrhunderts galt, scheint nun doch wieder an der Tagesordnung zu stehen: ein Modediktat. Die ersten zwei Dekaden der 2000er Jahre haben noch eine Vielfalt an Stilen zugelassen, getragen wurde, was Spaß gemacht hat, deutliche Tendenzen haben gefehlt. Allmählich scheint mit der neuen Generation auch wieder das Bestreben nach bestimmenden Modetrends zurückzukehren.


Ist cool sein überhaupt noch cool?

Zugegeben, ich hab sie auch schon probiert, die Mum-Jeans, und für zwar bequem aber auch schlichtweg extra unschön befunden. Ich sehe einfach unvorteilhaft darin aus, wie ein Teenager, der die falsche Größe erwischt hat, alles ist unförmig und von den eh schon wenigen Rundungen ist noch weniger zu sehen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob frau in ihren Dreißigern noch jeden Trend mitmachen muss bzw. wie sehr es schmerzt, zu akzeptieren, dass älter werden sich auch in der Optik spiegelt. Es schmerzt, ziemlich fest sogar, und ganz kann ich mich noch nicht damit abfinden, dass ich mich für manche Trends zu alt fühle, aber zu den Coolen zu gehören, ist nicht mehr ganz so cool, und bei diesem Satz muss ich gerade feststellen, das "cool" vermutlich schon lange out ist. Ist halt so, enge Jeans finde ich weiterhin schön, vielleicht habe ich aber auch gerade eine zurückgeschickt, weil sie "zu skinny" war.


Gerne inspiriert, aber nicht mehr diktiert.

Unlängst habe ich ein Interview mit Patrica Field (Kostümdesignerin von Sex and the City) gesehen, in dem sie gesagt hat, dass Mode keine Diktatur sondern ein Zirkus sein soll. Sie soll in erster Linie Spaß machen und die Persönlichkeit unterstreichen, anstatt diese hinter Trends zu verbergen. Ein schöner Gedanke und wenn ich ehrlich bin, langweilt mich der immer gleiche Einheitsbrei der Hipster_innen auch, die auf Individualismus setzen und trotzdem alle gleich aussehen. Eigentlich, nicht zu hundert Prozent aber doch ziemlich stark, will ich mich auch optisch von der jüngeren Generation abgrenzen, es ist vermutlich nur schwer zum eigenen Stil zu stehen und die Trends hinter sich zu lassen. Manchmal können jene auch eine schöne Inspiration sein, um eine persönliche Interpretation zu finden. Meine Röhrenhosen dürfen bleiben, aber es hat sich auch bereits eine locker sitzende Jeans dazugesellt, in der ich mich sehr wohl fühle. Es wird noch etwas dauern, bis ich meinem eigenen Geschmack mehr als dem Urteil der anderen vertraue, aber die ersten Schritte sind getan. Und Baggys kommen mir auch weiterhin nicht ins Haus. Amen.

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