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Sind Männer in den Dreißigern undatebar?

  • Autorenbild: diedreißigerin
    diedreißigerin
  • 9. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn ich ans andere Geschlecht denke, bekomme ich immer öfter dieses ungute Bauchgefühl oder besser gesagt, naja, seien wir ehrlich, mir kommt das Kotzen und das nicht zu knapp. Die Berichterstattung rund um Gewalt gegen Frauen der letzten Monate und Jahre ist mehr als belastend, Misogynie allgegenwärtig und so stellt sich mir berechtigterweise die Frage, ob Männer überhaupt noch datebar sind beziehungsweise mit welchem Risikopotenzial, nicht nur physisch sondern auch psychisch, eine heteronorme Beziehung für Frauen behaftet ist. Es gibt so viele (glückliche) Singlefrauen wie noch nie, Vogue hat vor Kurzem gefragt, ob es peinlich ist, einen Boyfriend zu haben und bereits Elisabeth I hat vorgemacht, dass eine Queen keinen Prinzen braucht.


Alte Rollenbilder & neue Möglichkeiten

Nun, wenn ihr euch wie ich in den Dreißigern befindet, seid ihr vermutlich mit ähnlichen Rollenbildern und den gleichen Disneyfilmen aufgewachsen. Der einzige Unterschied zu meinen Eltern war, dass ich studiert habe, ansonsten wurde mir aber die immerselbe Lebensplanung suggeriert: heiraten, Kinder bekommen, Mutter und Hausfrau sein und später in Teilzeit arbeiten. Achso und natürlich meinem lieben Ehemann die Care-Arbeit abnehmen und dafür sorgen, dass er zufrieden und glücklich ist. Ich formuliere das jetzt bewusst provokant und überspitzt, aber wenn ich zurückblicke, nicht nur auf meine Jugend, sondern auf die Generationen vor mir, hat es nunmal genau so ausgesehen. Meine Oma hatte nie ihr eigenes Geld geschweige denn einen Beruf, meine Mama hat nie alleine gewohnt oder sich selbst finanziert. Wozu das geführt hat? Erstens zu Abhängigkeit und zweitens zur Verfestigung des Modells des arbeitenden Mannes und der sich kümmernden Frau.



Tja, auch ich hatte mich in dieser Rolle gesehen, mir über die eigene Karriere recht wenig Gedanken gemacht, studiert, weil ich gute Noten hatte und von Hochzeit und Kindern in meinen späten Zwanzigern geträumt, nicht weil ich einen tiefen Wunsch verspürt hatte, sondern weil das eben alle wollten, ich also auch. Das böse (oder kathartische?) Erwachen kam erst, als ich mit Anfang 30 und einer gescheiterten großen Liebe (räusper) im Gepäck in meiner kuscheligen Einzimmerwohnung stand und mein Leben, nachdem gefühlt alles niedergebrannt war, wieder Stück für Stück aufbauen musste.



Male Loneliness Epidemic oder einfach nur Frauenhass?

Stellt sich raus, nachdem ich sehr viel Arbeit in mich selbst gesteckt und in eine Therapie und viel feministische Literatur investiert hatte, dass ein Singleleben in den Dreißigern ziemlich fabulös ist. Ich verdiene gut, lebe in einer wunderschönen Wohnung und verbringe meine Wochenenden mit Solo-Abenteuern, gemütlich auf der Couch oder mit herrlichen Stunden mit Freundinnen. Wenn ich ehrlich bin, fehlt mir nichts, die letzten Jahre waren wirklich ein Träumchen, wenn auch begleitet von dem einen oder anderen Schicksalsschlag oder Konflikt. Ich bin schon lange Single und inzwischen sehr glücklich. Wem passt das natürlich nicht? Genau, Männern!


Da ich eine von sehr vielen Frauen bin, die ihr bestes Leben ohne Partner leben, müssen auch gezwungenermaßen Männer Ü30 ihr Leben alleine bestreiten und schwups war sie da, die Male Loneliness Epidemic. Während alleinstehende Frauen die glücklichste Bevölkerungsgruppe bilden und sich um Karriere, Freundschaften und Selbstliebe kümmern, machen Singlemänner das Schlusslicht auf der Zufriedenheitsskala aus und verfallen tendenziell in Suchverhalten, Rechtsextremismus und – wer ist natürlich Schuld – Frauenhass. Das Internet ist 2026 voll mit irgendwelchen Andrew Tate Incels, die in ihr Mikro jammern, dass Frauen doch endlich wieder ihrer Bestimmung, aka sich um den Mann sorgen, nachkommen sollen. Mir wandert bei dem Gedanken, dass Männer, die sich vorher nie binden wollten, weil sie Freiraum und keine Verantwortung forderten, nun plötzlich alleine dastehen, weil sich keine Frau mehr an sie binden will, durchaus ein mildes Lächeln übers Gesicht. Was mich zur eigentlichen Frage bringt: Sind Männer undatebar?



Ich habe in den letzten 15 Jahren wirklich viel gedatet, überdurchschnittlich viel möchte ich behaupten, grob waren es sicher an die 50 Männer, mit manchen blieb’s beim ersten Date, mit einigen hab ich mich länger getroffen und mit sehr wenigen ist eine Beziehung draus geworden.  In den Zwanzigern wollte ich geliebt werden und in dieses Leben, das mir schon so lange vorschwebte, einsteigen, meine Gegenüber mussten mich nur auch wollen, das war genug. Die Dreißiger, nach meiner persönlichen Renaissance, haben gezeigt, dass ich eine gleichberechtigte Partnerschaft möchte, eine Liebe auf Augenhöhe und jemanden, der ähnliche Voraussetzungen zu bieten hat. Spoiler, ich bin seit fast 6 Jahren Single.


Die Antwort ist ein klares JA, Männer sind für mich undatebar und ich halte es im Kopf kaum aus, wie der Diskurs dahingehend (von Männern) gelenkt wird! Egal welche soziale Schicht oder Berufsgruppe, die Stefans, Georgs und Pauls schreien zwar von den Dächern, dass sie eine Beziehung und Kinder wollen, haben aber keine Lust darauf Partner und Vater zu sein, nehmen „traditionelle Werte“ in den Mund, machen aber bei der Rechnung doch lieber 50:50, wollen Frauen, die alles für sie (auf)geben und gleichzeitig bitte nichts fordern, halten sich für den romantischen Jackpot, während sie selbst auf durchgelegenen Matratzen in WG-Vibe-Wohnungen schlafen. Wenn sie das nicht bekommen, dann werden sie zornig und schimpfen über Weiber mit zu hohen Ansprüchen, über alte Jungfern, die zu Staub zerfallen werden, über eine Male Loneliness Epidemic, weil die bösen Frauen sich einfach nicht mehr kümmern wollen.



Was wir tatsächlich haben, ist eine Frauenhass-Pandemie und eine Ungleichheit in emotionaler Arbeit, wie sie noch nie vorher da war. Bevor jetzt alle schreien, ja ich spreche hier von den „guten Männern“, denjenigen, die tatsächlich ihre Partnerinnen nicht betäuben und vergewaltigen, keine privaten Nacktbilder im Internet verbreiten und naja, noch nie darüber nachgedacht haben, ihr ein Messer in den Bauch zu rammen, weil sie verlassen wurden. Wenn wir uns nämlich das große Ganze ansehen, hätte ich gerne eine einstweilige Verfügung gegen jedes männliche Wesen. Dass mir noch nie sexualisierte Gewalt angetan wurde, ist statistisch gesehen praktisch ein Wunder und trotzdem ist da inzwischen dieser ungute Beigeschmack, wenn ich jemand Neuen date. Zum ersten Mal habe ich mir neulich ernsthaft Sorgen um meine Sicherheit gemacht, als ich die Sache mit History-Boy beendete, ein gut ausgebildeter Akademiker, ein „Mr Nice Guy“. Aber wir wissen inzwischen, dass die Gefahr nicht hinterm dunklen Busch lauert, nein, es sind die Familienväter, die Sozialpädagogen, die guten Freunde – es sind immer Männer.



Ein weiteres Projekt, nein danke!

Aber zurück zu den "guten Männern", manche mögen sich vielleicht sogar Feministen nennen, die, so möchte ich hier einfach die Behauptung aufstellen, in den Dreißigern den Anschluss verpasst haben. Singlefrauen in dieser Altersgruppe sind finanziell unabhängig, wohnen in schön eingerichteten Wohnungen, ziehen sich ausgezeichnet an, verbringen tolle Urlaube, gestalten ihre Freizeit und beschäftigen sich seit Jahren mit sich selbst beziehungsweise gehen zur Therapie. Sie warten nicht, bis jemand kommt, um ihr Leben zu organisieren, und irgendwann erreichen sie einen Punkt, wo ein Mann nicht mehr eine Notwendigkeit, sondern eine Option ist. Das schöne an Optionen? Wir können wählen und tatsächlich erwarte ich von einem potenziellen Partner dasselbe, was ich und andere Frauen selbstverständlichst vorweisen: ein eigenverantwortliches Leben.



Wenn ihr wüsstet, wieviele fremde Schränke ich schon aussortiert, Badkästchen organisiert, Bewerbungen geschrieben, Denkanstöße für Therapie gegeben, Einkaufslisten vorbereitet, zusammenpassende Bettwäschen gekauft, Urlaube geplant, Pflanzen eingetopft, schwere Gespräche angefangen und motivationale Monologe gehalten habe, nur weil der Typ unfähig war und ich aus irgendeinem hirnverbrannten (sozial konditionierten) Grund dachte, dass ich ihn retten müsse. Weaponized Incompetence heißt das in der Fachsprache, Männer stellen sich oder sind einfach zu blöd und entgehen somit wieder der Verantwortung und packen das Ganze noch in ein Pseudo-Kompliment á la „du kannst das einfach besser“. Wir alle haben genug, das sage nicht nur ich, sondern auch die steigenden Zahlen an Singlefrauen, die lieber alleine bleiben, anstatt sich um einen Mann zu kümmern.


Nun, ich weiß natürlich, dass es nicht so einfach ist, vor allem wenn das Thema Kinderwunsch ins Spiel kommt und sich Frauen eine Familie wünschen. Aber nur weil es (solo oder in Beziehung) schon immer so war, muss es nicht so bleiben. Ihr dürft Verantwortung abgeben und ihr dürft den Mann auch scheitern lassen, vielleicht lernt er daraus. Dann war der Koffer eben falsch gepackt, dann hatte er eben keine Snacks fürs Kind dabei, dann war er eben genervt, weil er den Arzttermin übernehmen musste, who cares?! Ihr könnt es nicht naturgegeben besser, er bemüht sich einfach nicht genug und es wird Zeit, für Gleichberechtigung, besonders in der Care-Arbeit, zu kämpfen.


Und für meine Singlefrauen: Ehrlichkeit ist der Schlüssel, mit euch und mit ihm. Dem letzten Mann hab ich knallhart gesagt, dass ich nicht auf durchgelegenen Matratzen schlafe, dass ich es scheiße finde, dass er mit Ü30 noch in einer WG wohnt, dass der Fraß nicht essbar ist, dass sein Ton in Stresssituationen untragbar ist und ich meine Wochenenden verplane, wenn er nicht früh genug etwas vorschlägt. Er war undatebar, ich habe seine Defizite nicht mit extra Aufwand und Energie ausgeglichen, demnach habe ich ihn nicht mehr weiter gedatet.


Better solo than sorry.

23 Kommentare


Gast
12. Mai

Ich empfinde es ganz ähnlich wie du, ich habe mein schönes Leben und möchte meine Ansprüche nicht runtersetzen um einen Mann in meinem Leben zu haben. Musste über die WG lachen, das funktioniert für mich tatsächlich leider auch nicht mehr, keine Lust auf fremde Menschen am Morgen!

Danke für deinen tolleb Blog! ❤️❤️❤️

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diedreißigerin
diedreißigerin
21. Mai
Antwort an

Großartig, dass du genau weißt, was du willst! DANKE 💕

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Mira
11. Mai

Ich wollte eigentlich nichts schreiben, weil ich gerne stille Leserin bin, aber wenn ich die letzten 2 Kommentare lese, kann ich gar nicht anders.


DANKE für diesen Beitrag und danke, dass du nicht nur aufs daten sondern auch die Gesamtsituation eingegangen bist. Es ist so krass was wir als Frau selbstverständlich hinnehmen müssen und dann werden wir bitter genannt! Kein Mann macht sich am Heimweg Gedanken, ob er vergewaltigt wird oder ob er nachts betäubt wurde. Keiner meiner Ex-Partner hat nur ansatzweise die Hälfte im Haushalt übernommen oder einfach sonlavge gewartet, bis ich genervt war und es selbst gemacht habe. Frauen die nicht wütend sind, wollen nicht hinsehen. Gerade gestern waren wieder so viele Stories über den Muttertag, der vom…


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diedreißigerin
diedreißigerin
21. Mai
Antwort an

Das sehe ich ganz gleich wie du, wer nicht wütend ist, beschäftigt sich nicht genug mit dem Thema. 💕

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Stella
11. Mai

Liebe Mirjam,

ich bin durch deine Instagram-Story auf diesen Beitrag aufmerksam geworden und muss dir ehrlich sagen, dass ich finde, dass das hier in die falsche Richtung geht. Natürlich ist Feminismus wichtig und natürlich ist es erschreckend, welche frauenfeindlichen Bewegungen es heutzutage gibt, doch Gleiches sollte nicht mit Gleichem vergolten werden. Jemanden anzufeinden, weil er mit Ü30 in einer WG wohnt, finde ich sehr engstirnig. Es gibt so viele verschiedene Lebenskonzepte (wofür du ja offensichtlich auch stehen möchtest) und solange dieser Mann nichts Verwerfliches getan hat, sehe ich keinen Grund, ihn derart öffentlich anzuprangern. Viele Dinge, die du beschreibst, sind zudem geschlechterübergreifend. Auch ich war zB in meinen 20ern noch nicht bereit, mich fest zu binden, und habe damit wohl…

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Gast
22. Mai
Antwort an

Was für eine schöne und clevere Antwort, du hast es wie immer auf den Punkt gebracht. Ich wünsche Marco übrigens dass er alleine in seiner versifften Wohnung verrottet.


Ich habe mich mich nach jahrelangen Diskussionen scheiden lassen und mein ExMann ist wieder zu seiner Mutter gezogen, die ihm wie du so schön sagst alles zum Arsch trägt.

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Phil
10. Mai

Liebe Miri,


ich verfolge deinen Blog seit Tag 1. Als stiller Leser.

Deine rezenten Beiträge stimmen mich traurig, deshalb:

Öffne (weiter) dein Herz!! Lasse diese (Feminismus)-Bitterkeit fahren… Das schreckt ab! Und das bist NICHT du!


Sei fröhlich und nachsichtig und blame nicht „ihn“. Es IST erstrebenswert, eine Partnerschaft zu haben. Punkt!

Du wirst einen tollen Mann finden, allein: Öffne dein Herz!

Fühle dich gedrückt!

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Phil
01. Juni
Antwort an

Letzte Duplik meinerseits: Ihr fahrt einem Leser und Diskutant schonungslos („Bullshit“) über den Mund und feiert das? Und geifert? Da gewinnt man weder Blumentöpfe noch (manchmal peinliche) Denkanstöße/Perspektiven oder (ordentliche) Partner… Wird jeder Mann (Bruder, Vater, Kollege) verbal geprügelt und öffentlich verhöhnt, wenn er einen Standpunkt aufwirft, der dem

eigenen zuwiderläuft? Moment, genau dieses (tatsächlich jahrzehntelang währende) Männer-Regime verachtet ihr ja?!


Glücklich? Allseits Fehlanzeige…

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Gast
09. Mai

Dieses Thema ist sehr wichtig und toll aufgearbeitet von dir. Wir leben jetzt in einer anderen Zeit wie unsere Eltern und gestalten unser Leben nach unseren Vorstellungen. Jede Generation macht ihre Fehler und ich hoffe die Menschheit lernt dazu und entwickelt sich weiter. Ich wünsche dir alles Liebe und viel Glück nach der schier unmöglichen Suche nach einem Partner in Augenhöhe.🫶

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diedreißigerin
diedreißigerin
12. Mai
Antwort an

Danke dir für deine lieben Worte! 💕

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