• diedreißigerin

Barcelona – Großstadtgeflüster & pure Freude!

Ein zweites Mal ging es diesen Sommer nach Spanien, ziemlich spontan mit einer Freundin, mit der ich zuvor noch nie gereist bin. Einige Tage haben wir überlegt, eine Stadt mit tollen Restaurants sollte es sein, mit einem entspannten Vibe und vorzugsweise mit Meer in der Nähe. Barcelona erfüllt all diese Wünsche und obwohl wir beide schon einmal dort waren, ist uns die Entscheidung für die katalanische Metropole sehr leicht gefallen. Ich hab mich auf neue Erinnerungen gefreut, zuvor war ich einmal eine Woche mit einem Exfreund und einmal zwei Tage mit einer früheren Freundin dort, sie hatte Barcelona nur im Winter gesehen. Das letzte Mal bin ich vor Jahren nach Katalonien gereist, ich konnte mich kaum an die Stadt erinnern, nur noch an vereinzelte Eindrücke. Eines ist klar, nach Barcelona kann frau nicht oft genug reisen.

Großstadtgeflüster, Kultur und versteckte Gassen.

Viele Tage Regen hatten wir in Österreich hinter uns, als wir uns auf dem Weg zum Flughafen machten. Anfang September sind die Abende zuhause schon recht kühl, der Schulanfang stand praktisch vor der Tür und umso aufgeregter war ich, noch einmal alles hinter mir zu lassen und in den Süden zu düsen. Schon die erste Stunde dort hat meinen Urlaubsmodus ausgelöst, die warme Luft, der Geruch des Meeres und diese bunte Lebendigkeit von Großstädten, alles hat sich nach Auszeit angefühlt.

Die ersten zwei Tage haben wir in der Stadt verbracht, sind durch die kleinen Gassen geschlendert, haben unser eigenes und die angrenzenden Viertel erkundet und uns ein wenig treiben lassen. Am späteren Nachmittag sind wir dann meistens am Rooftop Pool unseres Hotels gelegen und haben die Seele bei Cinnamon Rolls und Co. baumeln lassen. An den darauffolgenden Tagen haben wir die Sagrada Familia, den Park Güell und den Montjuic besucht, das Wetter war viel zu angenehm für Museen, also haben wir die Attraktionen im Freien bevorzugt. Viele der Museen hatte ich bereits gesehen und es war herrlich entspannt, nicht von einem Ort zum nächsten hetzen zu müssen.


Gewohnt haben wir in El Born, würde ich jederzeit wieder wählen. Wir konnten praktisch alles zu Fuß erreichen und die U-Bahn haben wir nur zweimal benutzt. Das Viertel ist für seine Bars & Restaurants bekannt und grenzt gleich an das älteste Viertel Barri Gòtic, in welchem frau stundenlang durch die winzigen Gassen wandern könnte. Barcelona hat für mich einen ganz besonderen Charme, eine perfekte Mischung aus modernem Vibe, viel Kultur, Hipsterszene und versifften Altbauhäusern. Ich mag, dass nicht alles modernisiert wurde und der Flair, den auch der vorbeiwehende Kanalgeruch und die von den Balkonen hängenden Unterhosen ausmachen, erhalten blieb.


Mar y Sol.

Die Temperatur war geradezu perfekt, untertags nicht zu heiß und abends noch warm genug, um bis Mitternacht draußen sitzen zu können. Wir haben sofort den katalanischen Rhythmus adaptiert und sind immer erst nach 21 Uhr Abendessen gegangen. Das bedeutete, dass wir auch länger am Strand bleiben konnten, den wir auch in wenigen Minuten zu Fuß erreicht haben. Wie schön kann ein Stadtstrand eigentlich sein? Sehr schön, auch wenn wir definitiv nicht alleine dort waren, aber das war egal. Sonne, Sand und Meer, eigentlich alles was ich brauche, um den Kopf richtig abschalten zu können. Kein einziges Mal habe ich an bevorstehende Verpflichtungen, Projekte oder andauernde Problemchen gedacht, es war einfach nur perfekt.

Freundinnenzeit & ganz viel Gönnung.

Das größte Problem war wohl, uns für ein paar der unzähligen Restaurants zu entscheiden, die sich durch die Stadt ziehen. An jeder Ecke sind die tollsten Bäckereien, die süßesten Cafés und kulinarische Versuchungen jeder Art. Wir haben uns gegönnt und das reichlich. Allein das Frühstück war jeden Tag ein Highlight, ständiger Wechsel zwischen hippen Cafés mit Acai-Bowls und Co. und einheimischen Desayuno-Bars mit belegten Broten, Croissants in jeder Variation und Café con leche. Mittags haben wir immer irgendwo gesnackt und abends sind wir dann schön essen gegangen, bis auf einmal war unsere Restaurantwahl immer ein absolutes Highlight.

Es hat sehr lange, viel zu lange, gedauert, bis ich das Wort Gönnung verstanden habe und nach wie vor finde ich, dass es einen bitteren Beigeschmack hat. Ich gönn mir etwas, steht oft in direktem Zusammenhang mit ich dürfte das eigentlich nicht, aber tu es trotzdem. So möchte ich es eigentlich nicht mehr empfinden, mir etwas gönnen soll bedeuten, dass ich extra lieb mit mir bin und vor allem ganz auf meine Intuition höre, ohne nervige Gedanken, ob das gerade gut oder schlecht für meine Fitness, Gesundheit, Geldtasche etc. ist. Ein wenig Impulsivität gepaart mit Intuition haben zu herrlichen Zimtschnecken geführt, obwohl jeder Zahnarzt die Zähne knirschen würde, zu einem weiteren Glas Wein, obwohl eines auch gereicht hätte, zum Matcha Latte, obwohl er völlig überteuert war, und zu einem weiteren Nachtisch, obwohl es nachmittags schon etwas Süßes gab. Dieses Mindset funktioniert immer besser und manchmal blicke ich wehmütig zurück auf die ganze Zeit, die ich mit Schuldgefühlen und inneren Konflikten verschwendet habe.


Wenn die Chemie stimmt, ist alles andere unwichtig.

Das erste Mal mit einer Freundin zu verreisen, ist ziemlich spannend, es kann ganz wunderbar werden, aber es kann auch ziemlich in die Hose gehen, vor allem wenn die Freundschaft noch recht frisch ist. Bei uns hat die Chemie auch außerhalb des gewohnten Umfelds gestimmt, wir haben uns bestens unterhalten, hatten einen sehr ähnlichen Rhythmus und alles hat sich von der ersten Minute an sehr locker und stimmig angefühlt. Mir wird immer mehr bewusst, wie wichtig das für die Erholung im Urlaub ist. Wenn die / der Reisepartner:in stimmt, ist alles andere Nebensache, jede Wolke am Himmel halb so schlimm und jede spontane Aktion umso aufregender. Ich hab schon Urlaube verbracht, die anstrengend waren, aus denen ich ausgemergelt und abgearbeitet heimgekehrt bin, weil ich das Gefühl hatte, nicht ich selbst sein zu dürfen. Das ist zum Glück schon recht lange nicht mehr der Fall, umso mehr weiß ich die lieben Menschen in meinem Leben zu schätzen, mit denen Zeit im In- und Ausland einfach nur schön ist.

Die Ferien sind jetzt also zu Ende. Ein bisschen würd ich mich schon noch gern vor dem Arbeitsalltag drücken, aber ich freu mich auch auf die bevorstehenden Aufgaben und Projekte. Diesen Sommer habe ich bewusst genossen, mehr denn je die Balance zwischen To-Do-Listen und und spontanem Seele baumeln lassen gesucht und viele neue Dinge ausprobiert. Mein Herz ist voll und der Kopf ist frei.

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